Nr. 59
Körperliche Symptome in der Grauzone zwischen Sagbarkeit und Tabu
Artikel von

Dr. Dorothea Thomaßen
Mit zwanzig reiste ich allein mit dem Rucksack durch Indien. Als ich einen heftigen Schnupfen bekam, hatte ich natürlich keine Taschentücher im Gepäck. Ich versuchte, welche zu kaufen, konnte aber weder Stoff- noch Papiertaschentücher auftreiben. Also besorgte ich mir eine Zeitung, deren Papier ich als Ersatz benutzen wollte. An diesem Tag fuhr ich mit einem Boot über eine Lagune. Um mich herum saßen viele Inder, einige suchten das Gespräch mit mir. Als meine Nase zu laufen begann, riss ich ein Stück Zeitung ab und schnäuzte hinein. Schlagartig waren alle Plätze um mich herum leer und meine Mitreisenden drehten mir die Rücken zu. Mehrere sprachen miteinander; und obwohl ich kein Wort verstand, spürte ich ihre tiefe Missbilligung. Sofort war mir klar, dass ich etwas ungeheuer Ekelhaftes gemacht hatte und es war ein unüberwindbarer Graben entstanden. Mir wurde heiß und kalt, am liebsten wäre ich vor Scham im Erdboden versunken. Mein Fremdsein hatte neugierig gemacht und war ein Anknüpfungspunkt gewesen, doch jetzt war ich vollkommen ausgeschlossen. Ich begriff, dass ich eine Verhaltensregel gebrochen hatte, die allen anderen selbstverständlich war. Dazugehören konnte nur, wer sie befolgte. Niemand hatte dieses ungeschriebene Gesetz offen kommuniziert, aber die Reaktionen waren bei allen, einschließlich mir, körperlich spürbar.

Foto von Liza Summer
Ich begann zu beobachten, wie Inder mit einer vollen Nase umgingen und entdeckte zwei Strategien. Entweder sie hielten sich ein Nasenloch zu und rotzten in möglichst weitem Bogen in die Landschaft oder sie zogen den Schleim hoch und spuckten ihn aus. Das taten sie auch bei Zug- oder Busfahrten durchs offene Fenster, und es störte niemanden, wenn der Auswurf weiter hinten an der Scheibe landete, oder, wenn auch dieses Fenster geöffnet war, im Wageninneren. In unserer Kultur wäre dies undenkbar, allein die Beschreibung löst hier Heiterkeit oder Abscheu aus.
Eigentlich ist eine laufende Nase eine Banalität und doch kann sich hier offensichtlich eine tiefe kulturelle Kluft auftun. Die einen finden es unglaublich, Schnodder in Papier eingewickelt in der Tasche mitzunehmen. Für die anderen ist es jenseits von Gut und Böse, die Umgebung rotzend zu verdrecken. Nur wer sich entsprechend benimmt, kann Teil der jeweiligen Gruppe oder Gesellschaft sein. Man lernt nämlich nicht nur, was man tut, sondern auch, was man keinesfalls tun darf. Und je banaler, also alltäglicher der Vorgang ist, umso entscheidender ist es, die geltenden Benimmregeln zu beherrschen. Ist Schmatzen und Rülpsen ein Kompliment an die Köchin oder das Benehmen eines ungezogenen Rüpels? Wie laut oder wie leise darf man lachen oder sprechen und welcher Abstand ist dabei untereinander einzuhalten? Ist ein Schatten lediglich ein physikalisches Phänomen oder verletzt man die Integrität der anderen Person, wenn man in ihren Schatten tritt?
Die interkulturellen Vergleiche zeigen, dass die ungeschriebenen Gesetze erlernt sind. Sie sind so tief verinnerlicht, dass sie als selbstverständlich und unabänderlich empfunden werden. Sie sind wie ein Codex des Verhaltens, ähnlich wie die Grammatik einer Sprache. Ein Muttersprachler erwartet intuitiv einen gewissen Satzbau. Selbst wenn er die Syntaxregeln nicht benennen kann, reagiert er mit Befremden, wenn sie durchbrochen werden. Genauso kann nur der zu einer Gemeinschaft gehören, der ihre Grammatik des Verhaltens – ich möchte fast sagen – natürlich beherrscht. Denn selbstverständlich ist dieser Codex nicht angeboren, sondern geprägt. Er macht Situationen vorhersehbar, markiert Zugehörigkeit und stellt in der Gruppe Hierarchien her. Als unbestreitbare, vorbewusste Dogmen und Verbote werden diese Regeln Tabus¹ genannt.

Foto von Ketut Subiyanto
Es ist kein Zufall, dass sich Verletzungen dieser Regeln besonders dann bemerkbar machen, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen aufeinanderstoßen. Da sie vorbewusste Grundpfeiler der jeweiligen sozialen Gefüge sind, lassen sie sich damit noch nicht zur Sprache bringen, denn heftige Reaktionen auf beiden Seiten wirken wie eine Trennwand zwischen den Gruppen. Was die jeweils anderen tun, wird reflexartig als ekelig und empörend, beängstigend oder überfordernd erlebt. Daher spricht man missbilligend und abwertend übereinander, während sich die jeweiligen Parteien im direkten Kontakt ignorieren und die Kommunikation möglicherweise vollkommen abbricht. Die zuvor beschriebene Situation hat sich bei mir eingebrannt und ich vermute, mein Verhalten hat auch bei meinen Mitreisenden einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sehr zum Nachteil allein reisender Frauen aus dem Westen.
Viele Übertretungen werden jedoch von Mitgliedern der eigenen Gemeinschaft verübt, man denke etwa an sexuelle Übergriffe oder sadistische Gewalt an den eigenen Kindern. Diese Taten im Schatten des Verbotenen sind so unvorstellbar, dass selbst die Opfer nicht glauben können, was ihnen geschieht. Sehr treffend beschreibt Anna Raabe dies in ihrem Roman Die Möglichkeit von Glück:
„Du erinnerst dich an deine ersten Texte. Kurze Protokolle, die du in dein Tagebuch geschrieben hast. Du hast aufgeschrieben, was passiert ist. Kurze Stichpunkte über den Ablauf der Gewalt, wie eine Einkaufsliste oder einen Wunschzettel. Bevor sie wieder verschwindet. In den Verleugnungen und Überschreibungen meiner Wirklichkeit durch Mutter, durch Vater, durch die ganze Welt, die nicht wahrhaben wollte, was hier vor sich ging. Bevor du nicht mehr wusstest, war das wirklich passiert? Manchmal hattest du Angst, verrückt zu sein. Dass dir Dinge passieren, die nur du erlebst. Dass alle Menschen um dich herum in einer anderen Welt leben. Dass es dich vielleicht gar nicht gibt.“²
Bei den Tätern hingegen findet sich eine erstaunliche Fähigkeit zur Gefühlskälte, Verleugnung und Abspaltung. Diese Phänomene sind von Stevensons in Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde³ eindrücklich beschrieben, und selbst Menschen, die die Novelle nicht gelesen haben, wissen sofort, worum es in der Geschichte geht. Die Dissoziationsphänomene der Täter zeigen, dass die Verbotsgrenzen selbst bei ihnen wirken.
Tabus etablieren sich nicht durch bewusste kognitive Gruppenentscheidungen, sondern entziehen sich axiomatisch dem Diskurs. Sie werden intuitiv aufrechterhalten, indem sie bei den betreffenden Gruppenmitgliedern automatisch Reaktionen hervorrufen, sobald sie in den geächteten Grenzbereich kommen. Emotional können Angst, Abscheu, Wut, Ekel, Scham- oder Schuldgefühle auftreten. Jedes dieser Gefühle war bei mir oder meinen indischen Mitreisenden zu beobachten. Körperlich können sich Übelkeit bis Erbrechen, aber auch Anspannung, Nervosität, Hitze oder Kälte, Erröten, Zittern, Druck, Enge, Herzrasen und vieles mehr zeigen. Auch Dissoziationsphänomene sind möglich; alle kehrten mir den Rücken zu und ignorierten mich fortan, während ich mich gerne unsichtbar gemacht hätte und wie betäubt war. Mit anderen Worten: Menschen reagieren körperlich und emotional in der Peripherie des Verbotenen.

Foto von Keira Burton
Gerade weil die Tabugrenzen direkt leiblich erfahren werden, erscheint die vertraute eigene Position als ursprünglich und richtig, wohingegen das andere als abwegig und falsch, sogar als verstörend empfunden wird. So stellen die begleitenden somato-psychischen Reflexe sicher, dass das ungeschriebene Gesetz aufrechterhalten wird. Da Menschen schon an der Schwelle des Verbotenen stark körperlich reagieren, verwundert es nicht, dass das Sprechen über Krankheitssymptome und das Sprechen über Erfahrungen im Tabuschwellenbereich die gleiche Syntax zeigen. Denn auch, wenn das Verbot selbst nicht diskutierbar ist, werden die Erfahrungen im Bereich des Unsagbaren sehr wohl thematisiert. Charakteristisch sind folgende Ausdrucksformen:
Die Ausdrucksformen haben gemeinsam, dass die möglichen Ursachen für die körperlichen und seelischen Stressphänomene außerhalb der subjektiven Einflusssphäre verortet werden. Was immer ihnen zugrunde liegen mag, befindet sich somit außerhalb der Kompetenz und Kontrolle des Sprechenden. Gleichzeitig mildern diese Redeweisen ab, verschleiern die Thematik und schaffen räumlichen und zeitlichen Abstand. Auch wenn die Metaphern sehr drastisch sein können, verschieben sie das kinästhetische Empfinden ins visuelle Bild, also von einem Nahsinn in einen Fernsinn.
Betrachtet man die Sprache genauer, zeigen sich auffällige strukturelle Parallelen zwischen dem Reden über Krankheitssymptome und dem Reden über Erfahrungen im Grenzbereich des Tabus. In der folgenden Tabelle sind typische Formulierungen gegenübergestellt, wie über psychische und somatische Reaktionen in beiden Bereichen gesprochen wird.Kategorie | Reden über Symptome | Reden über somatische Reaktionen im Grenzbereich von Tabus |
|---|---|---|
Truismen | „Das geht schon wieder vorbei.“ „Stress schlägt eben auf den Magen.“ | „So etwas macht man einfach nicht.“ „Da kann einem nur übel werden.“ |
Proformen | „Da stimmt etwas nicht.“ „So etwas habe ich öfter.“ | „Das merkt man doch sofort.“ „So etwas hat die Welt noch nicht gesehen.“ |
Metaphern | „Mir schnürt es die Kehle zu.“ „Der Kopf explodiert fast.“ „Das brennt wie Feuer.“ | „Vor Scham im Erdboden versinken.“ „Das schreit zum Himmel.“ „So eine Schweinerei.“ |
Euphemismen | „Ein kleines Unwohlsein“ statt Kreislaufkollaps „Nervosität“ statt Angstzustände | „Empfindlich reagieren“ für starken Ekel „Intime Beschwerden“ für sexualisierte oder schambesetzte Probleme |
Archaismen | „Wie unerquicklich.“ „Mir ist schwer ums Herz, als würde ein Mühlstein auf mir lasten.“ „Das ist eine Plage.“ | „Da hat jemand eine schlechte Kinderstube.“ „Man sollte sie mit Schimpf und Schande davonjagen.“ „Da ist eine magische Grenze überschritten.“ |
Diese Parallelen in der Ausdrucksweise erscheinen mir kein Zufall. Wer ständig über seine Grenzen geht, hat ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Vielleicht hat sich die Person dogmatisch ein bestimmtes Ziel gesetzt und hält daran hörig fest, obwohl ihre Kraft nicht reicht oder es gegen ihre Bedürfnisse geht. Vielleicht nötigen sie äußere Umstände, ihre Gesundheit zu missachten. Ähnlich wie bei einem Tabu, entzieht sich in beiden Fällen diese Schranke ihrer Kontrolle. Und weder die innere Grenze des Leistbaren noch die äußere Grenze des Erfüllbaren sind per se offensichtlich, sondern werden erst im Laufe der Zeit erfahren, wenn Wollen und Können in Konflikt geraten.
Eine Kluft zwischen Anspruch und Fähigkeit zeigt sich körperlich und man wird müde und erschöpft, ist angespannt, nervös, fühlt sich heiß oder kalt, spürt Enge und Druck; der Körper reagiert mit Symptomen. Während die handelnde Ich-Seite sich meist weiterhin ihren Ansprüchen identifiziert, erlebt sie ihr Nicht-so-können-wie-sie-will wie eine äußere Gewalt, obwohl es Reaktionen des eigenen Leibes sind. Betroffene erleben es als abgespalten „Anderes“. Dieses „Andere“ steht aber nicht nur für körperliche Beschränkungen, sondern dahinter können sich auch Wünsche, Neigungen und Begierden verstecken, die im Widerspruch zu den Zielen stehen, mit denen sich die Person identifiziert. Weil es sich der Willkür entzieht, ist es ein fremdes „Nicht-Ich“ und wird abgelehnt, oft sogar bekämpft. Man will nicht sein, was man gerade verkörpert, kann aber auch nicht leben, was man sein will. Wir gebrauchen für die Ich-Seite Worte wie „hier“, „dies“, „jetzt“, „mein“, oder „ich“; und schreiben den anderen Teilbereichen die Positionen „dort“, „dann“, „jenes“, „sein“, „es“, „Nicht-Ich“ zu. Anfangs bewerten Betroffene nur den Zustand negativ, doch wenn sich das Geschehen wiederholt und das „Ich“ im Kampf dagegen ständig Niederlagen erfährt, leidet das gesamte Selbstbild.
Foto von Jean Pixels
Das kann ein Zeitpunkt sein, an dem eine Therapie aufgenommen wird. Dieser geht oft eine starke Erfahrung von Sich-selbst-fremd-geworden-sein voraus und sie wird vom Wunsch vorangetrieben, wieder so zu sein, wie man einmal war oder wie man in Zukunft sein möchte. Nun soll der Kampf unterstützt von einem Experten weitergehen. Nur selten streben Betroffene an, das krankmachende Paradigma aufzuheben. Zentriert auf ihre Ich-Definition wünschen sie sich vielmehr neue Mittel und Wege, ihren Vorsatz weiterhin zu erreichen, während die hinter den Symptomen stehenden Belange ausgeblendet werden und wie mit einem Tabu belegt sind. Zur Erinnerung: Gerade, weil das Tabu sich in den Bereich des Unsagbaren verlagert hat, kann es nicht hinterfragt werden und ist so wirksam. Hypnotherapeutisch könnte man sagen, es ist ein Ver- oder Gebot, das mit einer Amnesieverschreibung belegt ist.
In Antonio Tabucchis Roman „Pereira erklärt“ wird dieses „Ich“ als ein „hegemonisches Ich“ beschrieben.⁴ Die Geschichte spielt zur Zeit der portugiesischen Salazar-Diktatur und erzählt, wie der angepasste Kulturredakteur Pereira durch die Begegnung mit einem Widerstandskämpfer in einen inneren Wandlungsprozess gerät. Dabei beobachtet er an sich selbst Reaktionen, die ihm fremd und unverständlich erscheinen. Sein Arzt erklärt dies mit einer Theorie von Pierre Janet und Théodule Ribot: Die Persönlichkeit bestehe nicht aus einem einheitlichen Selbst, sondern aus verschiedenen inneren Anteilen, von denen jeweils einer zeitweise die Führung übernimmt. Vor dem Hintergrund heutiger Ego-State-Theorien wirkt dieses Bild erstaunlich aktuell. Symptome erscheinen nicht bloß als Störung, sondern als Ausdruck innerer Konflikte zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen, Haltungen und Selbstanteilen.
Auch William James⁵ beschreibt das menschliche Erleben als ein Zusammenspiel verschiedener innerer „Vorstellungs- und Zielsysteme“, die unterschiedlich stark im Bewusstsein wirksam sind. Bestimmte Inhalte stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit und emotionalen Energie („heiße Felder“), während andere an den Rand gedrängt oder vollständig ausgeschlossen werden. Menschen erleben sich daher nicht als einheitlich, sondern als vielschichtig und teilweise gespalten. Für das Verständnis von Symptomen als Ausdruck innerer Tabus ist besonders bedeutsam, dass verdrängte oder periphere Anteile nicht verschwinden, sondern weiterhin psychisch wirksam bleiben. Wenn bestimmte Wünsche, Gefühle oder Bedürfnisse verbotenerweise keinen bewussten Ausdruck finden dürfen, entstehen Spannungen zwischen konkurrierenden inneren Systemen.
Missempfindungen können dann als Ausdruck dieser abgespaltenen Inhalte verstanden werden. James zeigt zudem, dass sich das „Zentrum persönlicher Energie“ im Laufe des Lebens verschieben kann: Was zuvor ausgeschlossen oder dissoziiert war, kann später bewusst integriert werden. Heilungs- und Veränderungsprozesse bestehen demnach auch darin, bislang verdrängten inneren Anteilen einen Platz im bewussten Erleben zu geben.

Foto von Atlantic Ambience
Wenn sich Tabu-Sprache und Symptom-Sprache so stark ähneln, könnten viele Störungen Ausdruck intrapsychischer Tabus sein. Der Ich-Anteil und der Nicht-Ich-Anteil sind wie Angehörige unterschiedlicher Kulturen, die verschiedenen Werten und Zielen folgen und miteinander in Konflikt geraten. Weiterhin erklärt es, warum Menschen, die sich gegenüber ihren Reaktionen und Triggern machtlos fühlen, keine Lösungsmöglichkeiten finden, solange sie in ihrem problematischen Zustand sind, denn dieser sorgt dafür, dass die verbotene Zone nicht betreten wird.
Hier liegt ein therapeutischer Schlüssel: Störende Empfindungen nicht vorschnell als Defekte zu behandeln, sondern als Ausdruck eines inneren Grenzkonflikts ernst zu nehmen. Sie wären dann keine bloßen Fehlfunktionen, sondern Ausdruck einer inneren Kommunikation in der Grauzone dessen, was ein Mensch über sich selbst wissen, fühlen oder verkörpern darf. Dann genügt es nicht, sie lediglich zu beseitigen, sondern es wäre entscheidend zu verstehen, welches „Nicht-Ich“ sich über sie bemerkbar macht und welche Bedürfnisse, Affekte oder Haltungen dadurch bisher keinen Platz im bewussten Selbstverständnis finden konnten. Eine Arbeit mit solchen Grenzbereichen sollte sich daher weniger gegen die unangenehmen Empfindungen richten, sondern vorsichtig Bedingungen schaffen, unter denen das bislang Abgespaltene wahrnehmbar und eingegliedert werden kann. Psychische Integration besteht deshalb nicht darin, das „Nicht-Ich“ endgültig zu überwinden, sondern darin, die Fremdheit im Eigenen zunehmend auszuhalten.
zur Begriffsklärung wurden folgende Arbeiten herangezogen:
- Hartmut Schröder und Florian Mildenberger, Tabu, Tabuvorwurf und Tabubruch im politischen Diskurs.
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) (2012) - Hartmut Schröder, Zur Kulturspezifik von Tabus, Sammelband Tabu. Interkulturalität und Gender (2008).
Beschäftigt sich mit kulturellen Unterschieden von Tabus und Euphemismen.
DOI/Verlag: Brill – Zur Kulturspezifik von Tabus - Sabine Krajewski und Hartmut Schröder, Silence and taboo, Handbook of Interpersonal Communication (De Gruyter, 2008).
- Herausg. Matthias Rothe und Hartmut Schröder, Stil, Stilbruch, Tabu. Stilerfahrung nach der Rhetorik (LIT Verlag, 2008).
Stevenson, Robert Louis: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Übers. Günter Gentsch. Stuttgart: Reclam, 1988.
Antonio Tabucchi: Erklärt Pereira. Eine Zeugenaussage. Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. München: dtv, 1997, S. 116–120.
William James: Die Vielfalt religiöser Erfahrung (insel taschenbuch, 1. Aufl., 1994, S. 213–216)
