Nr. 59
Brücken bauen – gemeinsam die Zukunft der M.E.G. gestalten
Artikel von

Dr. Stella Nkenke
Als ich vor vielen Jahren meinen ersten M.E.G.-Kongress besucht habe, hätte ich mir wohl kaum vorstellen können, eines Tages Präsidentin unserer Fachgesellschaft zu sein. Umso mehr freue ich mich, diesen Weg nun gemeinsam mit unserem Vorstand weitergehen zu dürfen und die Zukunft der größten deutschsprachigen Fachgesellschaft für Hypnose mitzugestalten.
Seit drei Jahren plane ich unseren Jahreskongress mit – eine Aufgabe, die mir viel Spaß bereitet. Nach meinem Kenntnisstand richtet die M.E.G. mit ihrer Jahrestagung den größten jährlich stattfindenden Hypnosekongress weltweit aus. Besonders am Herzen liegt mir dabei eine ausgewogene Mischung aus Wissenschaft, klinischer Erfahrung, praxisnahen Workshops und persönlichen Begegnungen. Denn oft entstehen die wertvollsten Ideen nicht nur in den Vorträgen, sondern auch in den Gesprächen dazwischen.

Foto © Mattina Schrenk
Durch meine Arbeit im Vorstand der International Society of Hypnosis (ISH) und der European Society of Hypnosis (ESH) erlebe ich immer wieder, wie bereichernd der Austausch über Ländergrenzen hinweg sein kann. Das Leitmotiv der ISH – Building Bridges of Understanding – möchte ich deshalb auch stärker in unsere Kongresse einfließen lassen.
Dabei denke ich besonders an unsere Nachbarländer. Nicht jede Fachgesellschaft hat die Möglichkeit, regelmäßig einen eigenen Hypnosekongress auszurichten. Umso schöner finde ich es, wenn wir Kolleginnen und Kollegen aus diesen Ländern in unser Programm integrieren und voneinander lernen können. In 2027 freuen wir uns unter anderem auf Randi Abrahamsen und Anna Knakkergaard aus Dänemark, Joost Merten aus den Niederlanden sowie Camillo Loriedo aus Italien. Perspektivisch arbeiten wir an einer festen englischsprachige Workshop-Schiene/Tag, so dass auch internationale Gäste bei jeder Jahrestagung attraktive Fortbildungsangebote finden.
Eine Neuigkeit ist die Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien – für mich im wahrsten Sinne des Wortes eine „Wien-Win-Situation“. Dort leite ich den postgraduellen Universitätslehrgang für Medizinische Hypnose. Die Ausbildung richtet sich an Ärztinnen und Ärzte und ähnelt den Curricula der M.E.G. Gleichzeitig stärkt diese Zusammenarbeit die wissenschaftliche Verankerung der medizinischen Hypnose und schafft eine enge Verbindung zwischen universitärer Lehre und unserer Fachgesellschaft.
Ebenso wichtig ist mir, dass wir die Werte, die wir nach außen vertreten, auch innerhalb unserer Fachgesellschaft leben. Wertschätzung, Respekt, achtsame Kommunikation und ein verantwortungsvoller Umgang miteinander sollten selbstverständlich sein. Unser Ethikbeirat unterstützt uns dabei, auch in herausfordernden Situationen gute Lösungen zu finden und unsere gemeinsame Haltung zu bewahren.
In den kommenden Jahren - genauer in 2028 - dürfen wir auf ein besonderes Jubiläum blicken: 50 Jahre M.E.G. Ich freue mich sehr, dass uns noch immer Kolleginnen und Kollegen begleiten, die unsere Fachgesellschaft von Beginn an geprägt haben. Gleichzeitig ist es schön zu sehen, wie jüngere Kolleginnen und Kollegen neue Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen. Beides gehört zusammen: Erfahrung weiterzugeben und gleichzeitig Raum für neue Entwicklungen zu schaffen.
Wer regelmäßig nationale und internationale Hypnosekongresse besucht, versteht schnell, warum viele von uns von einer „Hypnofamilie“ sprechen. Über die Jahre entstehen Freundschaften, Vertrauen und ein Netzwerk, das weit über Ländergrenzen hinausreicht.
Auch meine eigene berufliche Tätigkeit lebt von dieser Vielfalt.
Ich begleite mit Begeisterung Amateur- und Spitzensportler auf ihrem Weg zu Höchstleistungen – bis hin zu Olympiasiegerinnen und Athletinnen der Weltspitze. Mein besonderer Schwerpunkt ist außerdem die Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Complex Regional Pain Syndrome (CRPS). Wenn ein Kind den Weg aus dem Rollstuhl zurück in ein selbstbestimmtes Leben findet, gehört das zu den bewegendsten Momenten meines Berufs. Für mich sind diese Kinder die eigentlichen Goldmedaillengewinner. So unterschiedlich ihre Ziele auch sind, sie verbindet derselbe Wunsch: Im entscheidenden Moment auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen zu können. Menschen auf diesem Weg begleiten zu dürfen, empfinde ich als großes Privileg.

Foto von Nilina
Ich freue mich auf viele Begegnungen, gute Gespräche und darauf, unsere Fachgesellschaft gemeinsam mit Ihnen weiterzuentwickeln. Wenn es uns gelingt, Menschen miteinander zu verbinden, Wissen weiterzugeben und die Begeisterung für die Hypnose an die nächste Generation weiterzutragen, dann blicke ich mit großer Zuversicht auf die kommenden Jahre.

