MEGaPhon

Vereinszeitung der Milton Erickson Gesellschaft

 Nr. 59

Der Arbeitsansatz von Martin Busch – 

und was er mit Hypnose zu tun hat

Artikel von

Ernil Hansen 

& Nina Zech

Der Ansatz von Martin Busch kann als Mind-Body-Intervention (MBI) eingeordnet werden. Er baut auf der Methode von Moshe Feldenkrais auf, einem körperorientiertem Lernansatz, der Bewegung, Wahrnehmung und Bewusstheit miteinander verbindet. Er übernimmt davon die Prinzipien der achtsamen, kleinen Bewegungen, des Lernens durch Variationen und der Bewusstheit durch Bewegung.

 
Er setzt sich aber auch deutlich von der Feldenkrais-Methode ab, von festgelegten Bewegungsabläufen mit einem gleichen, gemeinsamen Ausgangspunkt und vorgegebenem Ziel. Seine präzise und offen formulierten Vorschläge bieten Raum für deren individuelle Auslegung und Umsetzung. Sie ermöglichen jedem von seinem eigenen Ausgangspunkt zu eigenen Ergebnissen zu kommen. Bewegung wird vom Prozess ausgehend betrachtet und nicht von einem gewünschten Ergebnis her. Das „Üben“ wird ersetzt durch ein „Experimentieren“, die Anwender werden zu eigenen Akteuren. Auch Augenbewegungen spielen dabei oft eine zentrale Rolle, weil die Augen gewöhnlich die Bewegung leiten. Beim Umsetzen der Bewegungsvorschläge sind die persönlichen Grenzen zu respektieren, denn Anstrengung und Schmerz hemmen den Lernprozess. Das Ausmaß der Bewegungen wird bis zur Intention zurückgenommen, weil schon diese und der Beginn der Bewegung das ganze Muster aktiviert.  


Die Bewegungsmuster im Zentralnervensystem werden nicht umprogrammiert, sondern das Repertoire durch sensorische Informationen, insbesondere durch Variation der Bewegung, geöffnet und erweitert. Auf diese Weise können Bewegungsmuster in Richtung individueller Optimierung weiterentwickelt werden. Diese Wahrnehmung von Bewegung und Beziehungen zwischen Körperteilen, sowie der Informationsabgleich, findet auch vor allem in den regelhaft eingefügten Pausen zwischen den verschiedenen Bewegungseinheiten statt. Eine wichtige Besonderheit ist es, die Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang von Bewegung und Atmung zu richten und als eine mögliche Variation anzubieten, eine Bewegung mit der Einatmung oder mit der Ausatmung zu beginnen.


Grundlegende Elemente (ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit) sind: 

  • Vorgehensweise: „Beobachte, wie du tust, was du tust.“  
  • Spiel mit Variationen: „Beobachte, wie du jetzt tust, was du tust.“  
  • Bewegungskombination: Die Kombination von Bewegungen verschiedener Körperteile, auch in verschiedenen Lagen.
  • Variation: Erst spontane Bewegungen, dann z.B. die gleiche Bewegung im umgekehrten Verhältnis zueinander und zur Atmung.
  • Achtsame Musteraktivierung: Überwiegend kleine, behutsam ausgeführte Bewegungen, nahe der Bewegungsintention.
  • Unwillkürlichkeit: Unwillkürliche Bewegungsanteile an der Gesamtbewegung, z.B. „Was wollen die Augen machen? Was macht der Kopf?“
  • Bewegungsausführung im eigenen Atemrhythmus: Insbesondere das Zwerchfell wird zur Nahtstelle zwischen Atmung und Bewegung sowie zum Vermittler zwischen bewusster Aufmerksamkeit und unbewusster Ausführung.
  • Erspüren: Die bewusste Wahrnehmung von Lage und Zusammenhängen im Körper und zwischen Körperteilen (Bodyscan, Körperabdruck, Diagonalen). Vorrang von Bewegungsqualität gegenüber Bewegungsumfang.
  • Irritation durch Überladung: „Wenn du das kannst, dann kannst du gleichzeitig auch …. und ….“
  • Konfusion durch undurchführbare Anweisungen: z.B. Oberkiefer oder Auge vor und zurück bewegen.
  • Wechsel zwischen bewusst und unbewusst:

Die Bewegungsanweisung wird präzise gegeben und bewusst aufgenommen

Atemrhythmus und motorisches Muster erfolgen unbewusst

bewusste Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Reflexion der Zusammenhänge und Veränderungen

Bewegungsmuster werden unbewusst verändert

Kleines Fallbeispiel - Ein Mann beschreibt:

Bei mir war ein Meniskusschaden diagnostiziert, ich hatte einen Operationstermin und ein konservativer Therapieversuch sollte noch mit Einlegesohlen stattfinden, nach Feststellung einer Fehlbelastung durch X-Bein-Stellung. Auf dem Eintagesseminar bei Martin erlebte ich sechs Einheiten in der Gruppe mit Hinlegen, Lage spüren, Bewegung eines Körperteils im Atemrhythmus, „Einfädeln“ des Kopfes in die Bewegung, Variation der Bewegung oder umgekehrte Verbindung zur Atemrichtung, Hineinspüren in Resonanzen in anderen Körperregionen, Pause 1-2 min zum Ausruhen und unbewussten Verarbeiten und Spüren von Veränderungen, dann anderer Bewegungsvorschlag (wieder ohne spezifischen Bezug zu Knie) usw. Nach ca. 40 min endet die Einheit mit Augenöffnen, Aufstehen und Gehen, das sich nun merklich anders anfühlt. Bei einem kurzen Einzeltermin machte Martin mich auf die asymmetrischen Falten in meinem Hemd aufmerksam, ließ mich in passiven Bewegungen eine Verspannung der rechten Brustmuskulatur spüren und löste sie auf. Er erläuterte mir den Zusammenhang:

„rechte Schulter nach innenlinkes Knie nach innenrechtes Knie nach innen = X-Beinstellung“.

Wieder zuhause sagte meine Frau: “Was ist den passiert, du schlurfst ja gar nicht mehr und X-Beine hast du auch nicht mehr?“.

Seither lebe ich wieder schmerzfrei, ohne Einlegesohlen oder Operation. Und ich gehe anders: frei und locker.

Es gibt mehrere Hinweise, dass dieser Ansatz etwas mit Hypnose zu tun hat. Zum einen ist da die Selbsterfahrungen von Trancezuständen während dieses angeleiteten körperlichen Experimentierens. Zum anderen enthält die Vorgehensweise von Martin Busch zahlreiche Elemente, die aus der Hypnotherapie vertraut sind:


Die Fokusausrichtung nach innen, Bodyscan und Body Awareness, Konfusion, Achtsamkeit auf „minimal cues“,

Unwillkürlichkeit (zulassen, dass „es geschieht“, statt “ich mache“), u.v.m. 


Und schließlich haben wir in zwei Studien EEG-Veränderungen gemessen¹ (in der nächsten Ausgabe von ZHH-Hypnose werden wir Genaueres berichten), wie sie auch bei Hypnoseinduktionen nachweisbar sind². Trance und Hypnoseelemente machen auch Sinn, weil, um Veränderungen in physiologischen und psychologischen Prozessen zu bewirken, es notwendig ist, das Unbewusste zu erreichen, weil dort Bewegungs-, Gefühls-, Denk- und Handlungsmuster verankert sind. Im Trancezustand ist der kritische Verstand eingeschränkt bis ausgeschaltet. Das ist nicht nur ein Charakteristikum von Hypnose, sondern eine wichtige Voraussetzung für die Wirksamkeit hypnotischer Suggestionen. So kann der Ansatz von Martin Busch auch als eine Integration und Weiterentwicklung der Arbeitsweisen von Erickson und Feldenkrais angesehen werden.

Foto von Mikhail Nilov

[1]

Zech N, Busch M, Jaeger, Hansen E. Trance states during a mind-body intervention monitored by BIS. Front Psychol 2026; 17:1728381. doi:10.3389/fpsyg.2026.1728381. 

>> Zurück zum Text

[2]

Zech N, Seemann M, Hansen E. Hypnosis measured with monitors of anaesthetic depth – EEG-changes during the test for Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility. Front Psychol 2023; 14:12676658. Doi:10.3389/fpsyg.2023.1267658.

>> Zurück zum Text