MEGaPhon

Vereinszeitung der Milton Erickson Gesellschaft

 Nr. 59

Nachschau zur M.E.G.-Jahrestagung 2026 

Foto © Martina Schrenk

Artikel von

Thomas Fritzsche

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Wieder einmal ist eine M.E.G.-Jahrestagung zu Ende – nicht irgendeine, sondern die größte bisher durchgeführte! Rund 1.300 Teilnehmende sind nach Kassel gekommen bzw. haben online teilgenommen!

Es ist schon Tradition, dass wir hier ein paar Ausschnitte und Tagungshighlights berichten: Für diejenigen, die nicht da sein konnten, als Leckerli für 2027, und für diejenigen, die da waren, als kleine Zeitreise in den März 2026.

Wir haben ein paar Teilnehmer:innen gefragt, was ihre Highlights waren – hier kommen die ganz unterschiedlichen Antworten.

„Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten“: Workshop von Kai Fritzsche.

Ich kannte Kai Fritzsche bisher noch nicht gut und finde ganz besonders seinen feinen Humor in Verbindung mit einer großartigen Kompetenz sehr beeindruckend. Nach einem Überblick über die verschiedenen Behandlungsansätze gab es zwei Live-Demos, bei denen eine Klientin jeweils von ihrer Therapeutin dargestellt wurde. Beide haben das sehr realitätsnah gemacht - so konnten wir beobachten, wie Kai Fritzsche humorvoll Grenzen ausgelotet hat, um Entwicklung zu ermöglichen. Es war sehr interessant zu sehen, dass auch ein Experte wie er nicht einfach jeden Schritt aus dem Ärmel schüttelt. Es war ein vorsichtiges Herantasten an das, was möglich ist.

Ich bin aus dem Workshop gegangen mit einer neuen Perspektive und mit großer Hochachtung für alle Therapeutinnen und Therapeuten, die sich mit so viel Engagement und Geduld um Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen kümmern. Vielen Dank an Kai Fritzsche und alle Kolleginnen und Kollegen!

Annette Fürst

Tagungsgeschehen | Foto © Martina Schrenk

„The Art of Integration“: Workshop von Enayat Shahidi

Erst im Vortrag dann im Workshop versucht Enayat mich als bekennenden EMDR–Allergiker dazu zu bewegen, mich dieser Methode doch noch einmal anzunähern. Ich merke beim Zuhören zunächst, dass ich EMDR nicht nur wegen des „mechanischen“ Anteils nicht mag, sondern auch weil für mich der ganze Rahmen „A behandelt B“ und somit ein Gefälle impliziert. Ich fühle mich also zunächst bestärkt.
Bei der Demo, die Enayat mit einer mutigen Frau durchführt, die Fallschirm springt und die Welt fast alleine umsegelt, dabei zugleich diverse körperliche Einschränkungen hat, spielt das EMDR an sich dann aber eine nur nebengeordnete Rolle: Im Verlauf eines 45minütigen Gesprächs mit tiefer Trance wird vielleicht fünf bis acht Mal „gewunken“, immer nur ein einziges Set. Es dient - soweit ich es verstehe - eher als Vehikel, um bestimmte Szenen rasch zu finden, Gefühle deutlich zu klären, vielleicht auch mal einfach als Musterunterbrechung weg vom „Kopf“. Ich bin jedenfalls fasziniert von Enayats absolut ruhigem, hoch professionellem Arbeitsstil . Er ist absolut konzentriert und zugleich fröhlich und neugierig auf den Prozess. Eine Arbeit, die für mich nicht nur Handwerk, sondern Kunst darstellt – inspirierend, dabei gewesen zu sein!

Thomas Fritzsche

Bernhard Trenkle, Enayat Shahidi & Kris Klajs | Foto © Martina Schrenk

Eines alleine genügt nicht: Vortrag, Workshop, Politik und Party

Es war mal wieder eine rundum gelungene Tagung! Aufgrund der vielfältigen Angebote kann ich mich nicht entscheiden, was mein persönliches „Highlight“ war – darum gibt es mehrere:
Eine besondere Freude ist immer das Wiedersehen und (Neu-)Kennenlernen von lieben Menschen und Kolleg:innen. Mein Vortrags-Highlight war, Silvia Zanotta live erleben zu dürfen. Ich schätze ihre Herangehensweise sehr, ihr Buch „Wieder ganz werden“ hat meine Arbeit sehr geprägt. Da war es etwas wirklich Besonderes, der „Person hinter der Arbeit“ ganz analog zuhören zu können.
Von den Workshops ist mir besonders in Erinnerung geblieben, was ich von Stefan Passvogel und Oliver Scheffel zur „Bühne des Traumas“ gehört und über das Einbringen von Schauspieltechniken ins therapeutische Arbeiten erfahren habe. Vieles davon wirkt sehr anschlussfähig an Embodimenttechniken und ist eine gute Ergänzung zur Rollentheorie Morenos.
Klasse finde ich, dass sich in der M.E.G. auch politisch engagiert wird, global sowie lokal. Das Info-Board der Klima AG gab eine gut verständliche und prägnante Zusammenfassung, warum ein solches Engagement gerade jetzt unabdingbar ist. Das gemeinsame Auftreten gegen die geplanten Honorarkürzungen für Psychotherapieleistungen (inklusive Gruppenfoto!) schweißt auch berufspolitisch zusammen.
Ein ganz persönliches Highlight waren die Abende, an denen gemeinsam zu Gitarren- und Flügelbegleitung gesungen wurde – von ABBA bis Hannes Wader war für jede:n etwas dabei. Auch das Tagungsfest war wieder besonders gelungen: Ein paar Stunden ausgelassen auf der Tanzfläche zu verbringen ist wahrlich ein würdiger Abschluss für eine so reichhaltige, informative und bunte Veranstaltung.

Rahel Roseland

Wir helfen, ihr kürzt! Protest |Foto von Kerstin Schramm

„Klinische Hypnose, Ego-State-Therapie und körpertherapeutische Interventionen für Schamgefühle“: Demonstrationsworkshop von Woltemade Hartmann

Mein persönliches Highlight war, nach meinem persönlichen Highlight gefragt zu werden – denn das ist es ja, was wir Hypnotherapeuten tun, oder? Die Ressource in den Fokus setzen.
Ich möchte allerdings meinen persönlichen ersten Platz an einen Moment vergeben, den ein Vortragender bereitet hat, dessen Vorname ein wenig klingt wie der eines berühmten Zauberers aus „Harry Potter“. Ich als Modell, er als Wegbegleiter zu allen möglichen meiner Ego States, die dort auf der Bühne Platz nahmen – und dann der Moment, an dem all die Liebe per Trance-Eilpost zu meinen lieben Menschen hinaus gezaubert werden will... und zu den anderen Menschen. Vor allem denjenigen im Krieg. Wie ich in diesem Moment spüre, dass wir alle im Saal ein wenig in Trance gegangen sind und alle etwas Herzensgutes hinüberschicken – zu den Menschen im Krieg. Ein Moment, der sich fast wie Frieden anfühlt.
Oder waren es einfach die vielen kleinen Momente, die den großen Moment machten?

  • Die immer freundlichen Helfer*innen in der Eingangshalle - und als ich höre, dass eine davon zu jemandem sagt: War ein Fehler, aber wir sind auch nur Menschen.
  • Die Umarmungen und das Lächeln überall.
  • Die Leute, die uns den Kaffee und Tee nachfüllen und da sind – mit uns scherzen, während sie unsere Computer anschließen.
  • Der Applaus für die Vortragenden.
  • Der so wohlwollende Umgang mit den Teilnehmern meines Workshops, als sie merkten, dass ich total verzettelt war.
  • Die Bedienungen in ganz Kassel, die dem täglichen 18 Uhr Ansturm tapfer ins Auge sahen.
  • Die Lauten und die Stillen.
  • Die Offenheit.

... eben ein richtig leckerer großer Obstsalat.
Herzliche Grüße

Kerstin Graf

Helfer:innen auf der M.E.G.-Jahrestagung 2026 |Foto von Betty Niederauer

„When the body says YES”: Jörg Dierkes und Eva Wieprecht. Und nicht nur das.

Meine Highlights auf dem Kongress waren sowohl professionell als auch persönlich geprägt.
Ich hatte das große Vergnügen, wieder einmal mit meinem sehr geschätzten Kollegen Jörg Dirkes präsentieren zu dürfen. Dieses Jahr haben wir einen Workshop zu einem gemeinsamen Herzensthema - Körper im Zentrum der Hypno- und taumainformierten Therapie - abgehalten: Zum ersten Mal habe ich hier ein von mir seit 15 Jahren entwickeltes tanztherapeutisches Programm vorgestellt: Somatic Movement Integration Practice. Ein Format, welches die Kraft der Gruppe und die heilsame Wirkung des Körpers in Bewegung, insbesondere Fließbewegung und Tanz, nutzt - spaßvoll begleitet mit Musik.
Es ist insofern ein besonderes Highlight, da dies ein zentraler Bestandteil auch meiner eigenen ganz persönlichen Heilungsreise war und ich jetzt die Gelegenheit hatte, den Ansatz auf der Basis stützender, wissenschaftlicher Studien einem sehr erlesenen Fachpublikum vorstellen zu können.
Mein ganz persönliches Highlight war der Kongressabend, der immer von Begegnungen mit lieben Kollegen, leckerem Essen und toller Musik, die zum Tanz einlädt, geprägt ist.
Genau dieser Kontext hat zu meinem Magic Moment mit einer lieben Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte, geführt. Da es uns fast unmöglich war, miteinander zu reden, hatten wir einen liebevollen Austausch zunächst mit unseren Augen. Dann hab ich meine Hände über den Tisch ausgestreckt, sie nahm meine Hände in ihre und so verweilten wir für die Länge von ein paar Musikstücken: Für mich ein ganz wunderbares Gespräch mit dem Körper als Botschafter der Seele. Gabrielle Roth sagt dazu, dass die Hände die Botschafter des Herzens sind. So hatten wir im Gewusel der lauten Musik, der Fröhlichkeit lauter Gespräche und wild geschwungener Tanzbeine einen Austausch von Seele zu Seele und Herz zu Herz.

Eva Wieprecht

Tagungsfest | Foto © Martina Schrenk

„Hypnotherapie bei Krebs und schweren Erkrankungen“ Christian Schwegler, und: Die Mischung macht´s

Die Frage „Was war Dein Highlight in Kassel“ ist auch in diesem Jahr wieder ein bisschen gemein: Schließlich ist das wesentliche Kennzeichen der M.E.G.-Jahrestagungen, dass sich wissenschaftlich und intellektuell äußerst anspruchsvolle Themen mit emotional außerordentlich berührenden Momenten mischen, dass man in Workshops üben kann und außerdem immer wieder einmal Leute um einen herum singen und tanzen. Dazu kommen all die wertvollen persönlichen Begegnungen, seien sie neu, seien es Wiedersehen. Mich dann für ein einziges Highlight zu entscheiden, ist wirklich schwer.
Also gut: Man nehme ein ernsthaftes, belastendes Thema wie eine Krebserkrankung, verbinde es mit wissenschaftlichem Hintergrund. Man reichere es an mit konkreten Übungen und präsentiere diese Mischung mit freundlicher und sympathischer, humorvoller Leichtigkeit. Was entsteht ist zugleich Erkenntnisgewinn, Mut und Hoffnung. Das Ganze wird noch unterstützt durch die Tatsache, dass die gezeigten Übungen sehr einfach waren und damit für jeden möglich und erreichbar schienen. Jedenfalls war dies das Rezept von Christian Schweglers Workshop. Einem Highlight für mich.

Maren Strunden

Christian Schwegler & Stella Nkene - Begrüßung | Foto © Martina Schrenk

Soweit einige Stimmen ganz unterschiedlicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wer dabei war, erinnert sich gerne und blockt bestimmt schon jetzt den Termin für den 18. bis 21. März 2027, wenn es heißt „Hypnose & KI: Wege aus Einsamkeit und Depression?“ mit dem Untertitel „Zwischen Technik, Trance und therapeutischer Nähe“.

Wir sehen uns!

Anmeldung zur M.E.G.-Jahrestagung 2027 unter:

 Tagungsgeschehen | Foto © Martina Schrenk