Nr. 59
Hypnose und KI: Wege aus Einsamkeit & Depression?
Zwischen Technik, Trance und therapeutischer Nähe
Vorausschau zur M.E.G.-Jahrestagung 2027
18.-21. März 2027 im Kongress Palais Kassel
Artikel von

Dr. Stella Nkenke

& Betty Niederauer
„Life will bring you pain all by itself. Your responsibility is to create joy.“
— Milton H. Erickson
Verhält es sich mit Einsamkeit und Depression genauso wie mit Schmerz? Beides ist längst kein Randphänomen mehr. Einsamkeit betrifft Menschen aller Altersgruppen, erhöht das Risiko für Depressionen und stellt Psychotherapie und Medizin vor wachsende Herausforderungen. Gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz in rasantem Tempo Kommunikation und Beziehungsgestaltung. Zwischen technologischer Effizienz und menschlichem Grundbedürfnis nach Verbundenheit entsteht ein Spannungsfeld, das zentrale Fragen für die Psychotherapie aufwirft.
Die Jahrestagung der Milton Erickson Gesellschaft 2027 widmet sich unter dem Titel
„Hypnose & KI: Wege aus Einsamkeit und Depression? Zwischen Technik, Trance und therapeutischer Nähe“
vom 18. bis 21. März 2027 im Kongress Palais Kassel genau diesen Themen.
Im Mittelpunkt steht die ericksoniansche Perspektive: Veränderung entsteht durch Beziehung, Erfahrung, Utilisation und die Aktivierung innerer Ressourcen. Oder wie Jeff Zeig zu sagen pflegt: “Hypnosis is not about information, it‘s about experience.“ Gerade im Zeitalter künstlicher Intelligenz gewinnt diese Haltung neue Relevanz.

© Martina Schrenk
Unbewusste Sprache von Verbindung und Einsamkeit
Dr. Dirk Eilert eröffnet die Tagung mit „Sehen, was Menschen nicht sagen“ und zeigt, wie sich Einsamkeit, Depression und Verbundenheit in nonverbalen Signalen ausdrücken – in Mikroexpressionen, Körperdynamiken und impliziter Kommunikation.
Beziehung zum Selbst und therapeutische Nähe
Prof. Dr. Stefanie Neubrand führt mit „Das fehlende Konstrukt: Impathie als therapeutischer Schlüssel bei Depression und Einsamkeit“ den Blick auf die innere Beziehungsebene und die Fähigkeit, mit sich selbst in konstruktiven Kontakt zu treten.
Maria Schnell ergänzt diese Perspektive mit „KI im Dienst des Menschen – Hypnotische Trance als Erfahrung von Lebendigkeit, Ganzheit und Verbundenheit“ und beleuchtet, wie Tranceprozesse und Verbundenheit im therapeutischen Erleben erfahrbar werden.
Ina Hullmann erweitert diesen Fokus mit „Mit Leichtigkeit Schweres meistern. Wie Bewusstsein und Haltung zur stärksten Intervention werden“ und zeigt, wie therapeutische Haltung und Bewusstheit als zentrale Wirkfaktoren genutzt werden können.
Mensch, Identität und KI
Ortwin Meiss fragt in „Selbstbestimmung, Einzigartigkeit und Selbstwirksamkeit – Wo bleibt der Mensch im KI-Zeitalter“ nach den psychologischen Grundlagen menschlicher Autonomie im technologischen Wandel.
Josua Handerer erweitert dies mit „Wie fühlt es sich an (k)eine Maschine zu sein? Über seelische Gesundheit im Zeitalter künstlicher Intelligenz“ um die subjektive Erfahrung von Menschsein im Kontext künstlicher Systeme.
Gesellschaftliche Transformationen und digitale Dynamiken
Frauke Niehues analysiert in „KI, Social Media und individuelle Freiheit“ die leisen Verschiebungen gesellschaftlicher Werte durch digitale Systeme.
Dr. med. Julia Siewert verbindet diese Ebene mit der klinischen Praxis in „Mehr Digitalisierung, mehr Einsamkeit? Hypnose zwischen digitaler Effizienz und menschlicher Nähe“.
Klinische Hypnose zwischen Schmerz, Einsamkeit und Entwicklung
MD Camillo Loriedo widmet sich in „Emotional Loneliness“ der Behandlung dissoziativer Störungen durch hypnotische Beziehungsgestaltung.
MD Anna Knakkergaard zeigt in „From Pain to Participation: Helping Children with Functional Abdominal Pain Return to School and Everyday Life“, wie Kinder mit funktionalen Bauchschmerzen durch hypnotherapeutische Interventionen wieder Zugang zu Teilhabe am Alltag finden.
Dr. med. Eva Maria Albermann beleuchtet in „Von der Problemtrance hin zum Lösungs(t)raum. Hypnosystemische Erfahrungen aus der psychiatrischen Praxis“, wie hypnotherapeutische Zugänge festgefahrene Erlebnis- und Beziehungsmuster verändern können.
Prof. Dr. Udo Rauchfleisch stellt klar: „Einsamkeit ist kein Schicksal“ – und beschreibt konkrete Veränderungswege.
Dr. med. Michael Teut erweitert den Blick mit „Gesund ins Alter mit Hypnose“.
Randi Abrahamsen zeigt in „Selfhypnosis with Hypnotic Analgesia as a way out of pain and loneliness“ Wege aus Schmerz und Isolation durch Selbsthypnose.
Struktur, Regulation und klinische Orientierung in der Praxis
Hiltrud Bierbaum-Luttermann arbeitet in „Wenn Kinder aussteigen. Wie Gewalterleben einsam macht und der Weg zurück ins Leben aussehen kann“ mit den Folgen von Gewalt, Rückzug und Bindungsverlust und zeigt Wege zu neuer Verbundenheit auf.
Claudia Reinicke beleuchtet ADHS aus einer relationalen Perspektive von Zugehörigkeit, Selbstbild und oft übersehenen Verbindungserfahrungen.
MD Joost Mertens ergänzt das Programm mit „Soziale Ansteckung, neuronale Plastizität und Trance: Yapkos interpersonelles Depressionsmodell im neuropsychiatrischen Diskurs“ und verbindet neuropsychiatrische Perspektiven mit aktuellen Konzepten zum Verständnis depressiver Prozesse.
Praxis, Erfahrung, Integration und Wissenschaft
Wie stets bildet die Praxis das Herzstück der Tagung: rund 85 Workshops vertiefen die Inhalte in hypnotherapeutischer Anwendung und angrenzenden Methoden. Ergänzt wird das Programm durch erlebnisorientierte Pausenmodule, die Raum für Integration und kollegialen Austausch bieten.

© Martina Schrenk

© Martina Schrenk
Wie stets wird es auch neben dem MEGscience-Vortag am Samstagmittag wieder eine prämierte Posterpräsentation geben und wir hoffen auch darauf, einen Nachwuchsförderpreis zu verleihen.

© Martina Schrenk
Rahmenprogramm: Begegnung jenseits der Theorie

© Franziska Mandel
Freitag, 19.03.2027 – Kulturprogramm
Die Gorillas – Impro-Show
Improvisationstheater bedeutet: kein Skript, keine einstudierten Szenen, kein Netz und keinen doppelten Boden. Stattdessen entstehen Geschichten, Charaktere und Situationen im Augenblick – aus Vorschlägen des Publikums, aus dem Moment, aus dem Miteinander. Das Ergebnis ist Theater, das so nie wieder zu sehen sein wird. Eine Erfahrung, die leicht ist und gleichzeitig in Erinnerung bleibt.

© Martina Schrenk
Samstag, 20.03.2027 – Festprogramm
Festliches Bankett mit dem Pianisten Urban Beyer, der nach 22 Uhr in der Bar des Hotels H4 weiterspielt, während im Festsaal DJ Bensh die Tanzfläche bis in die frühen Morgenstunden füllt.
Es ist DAS Tagungsfest,
deshalb Tanzlaune mitbringen!

© Martina Schrenk
Die Jahrestagung 2027 versteht sich als Einladung, Hypnose im ericksonianschen Sinne neu zu denken: als Verbindung von Beziehung, Erfahrung und Veränderung in einer Zeit, in der technologische Systeme menschliche Kommunikation zunehmend mitgestalten.
KI wird sicherlich vieles verändern. Doch die zentrale Frage bleibt: Wie entsteht heute Rapport und wie können Menschen wieder in Kontakt kommen mit sich selbst, mit anderen und mit ihren Ressourcen?
18.–21. März 2027 | Kongress Palais Kassel


