MEGaPhon

Vereinszeitung der Milton Erickson Gesellschaft

 Nr. 59

Medienschau & Rezensionen


Übersicht: Medienschau & Rezensionen

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Benjamin Hinz

Trancephänomene in Interaktion - Sprachliche Verfahren in hypnotherapeutischen Settings

Carl-Auer, März 2026

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Trance ist ein zentrales und gleichzeitig theoretisch schwer fassbares Phänomen der Psychotherapie. Während Gespräche in der Psychotherapie bereits intensiv erforscht sind, fehlte bislang eine systematische Analyse hypnotherapeutischer Sitzungen. Diese Studie schließt diese Lücke: Auf Basis von 18 Sitzungen wird erstmals gesprächsanalytisch untersucht, wie Trance in der Interaktion sprachlich und kommunikativ entsteht. Mithilfe von Konversationsanalyse und Interaktionaler Linguistik werden zentrale kommunikative Verfahren herausgearbeitet, die mit Trancephänomenen zusammenhängen und therapeutisch wirksam sind. Die Ergebnisse zeigen, dass Trance weniger als isolierter Zustand, sondern vielmehr als dynamischer, interaktiver Prozess verstanden werden sollte. Damit eröffnet die Arbeit neue Perspektiven für die (hypno-)therapeutische Praxis sowie für die Verbindung von Gesprächsanalyse und systemischen Ansätzen.

Marta Nowak-Kulpa

Geschichten aus einem anderen Märchen - Nichtalltägliche Psychotherapie

Carl-Auer-Verlag, 2025

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Das Buch von Marta Nowak-Kulpa zeigt in dreizehn Fallgeschichten, wie Hypnotherapie medizinische Behandlungen unterstützen kann. Es wird deutlich, wie eng psychische und körperliche Prozesse zusammenhängen. Therapeutische Geschichten helfen, neue Wege aus Krisen zu finden. Das Buch unterstreicht die Bedeutung individueller Kommunikation und zeigt, wie das Unbewusste Heilungsprozesse positiv beeinflussen kann. Marta Nowak-Kulpa arbeitet in einer Klinik, die auf Transplantationen von Organen spezialisiert ist und hat dort neue Ansätze entwickelt, PatientInnen in diesem Prozess zu unterstützen. Das Buch spiegelt ihr großes Einfühlungsvermögen und ihre Kreativität wider. 

Woltemade Hartman

Ego-State-Therapie - Von den historischen Wurzeln zur innovativen Praxis

Carl-Auer Verlag, August 2026

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Nach jahrelanger Vorarbeit von Woltemade Hartman und den LektorInnen des Verlags erscheint jetzt dieses Pionierwerk im Umfang von 1.000 Seiten. Praktisch alle führenden Ego-State-ExpertInnen von Australien bis USA sind vertreten. Es war für mich (Bernhard Trenkle) als Reihenherausgeber teils faszinierend zu sehen, wie Artikel zwischen AutorIn und Herausgeber diskutiert wurden, wieder und wieder verändert wurden und dabei teils ganz neue Konzepte entstanden sind. 


Die internationale Erfolgsgeschichte des Ego-State-Ansatzes begann ja mit dem 1. Weltkongress der Ego-State-Therapie 2003 in Bad Orb zum 25-jährigen Jubiläum der M.E.G. Und nun liegen in einem Werk sowohl die Grundlagen und Wurzeln wie auch innovative Fortentwicklungen vor. 


Insbesondere in der Traumabehandlung eröffnet die Ego-State-Therapie neue Zugänge. Über 30 Fachbeiträge beleuchten Störungsbilder, Anwendungsfelder und Settings und vermitteln sowohl theoretische Grundlagen als auch praxisorientierte Ansätze, etwa bei Depressionen oder dissoziativen Störungen. Besonders innovativ ist die interdisziplinäre Verknüpfung mit Verfahren wie Ericksonscher Hypnotherapie, EMDR, Psychodrama oder körperorientierten Ansätzen. Dadurch eröffnen sich neue Perspektiven für die Arbeit mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen ebenso wie für Coaching und soziale Praxisfelder. 


Ein monumentales Werk, das man wohl nicht von vorne bis hinten liest, sondern je nach Stand des Wissens und der Spezialisierung kapitelweise.

Osswald, Jacobs und Tigges-Limmer

Kommödikation: Kommunikation während medizinischer Eingriffe unter Lokalanästhesie

De Gruyter Verlag, 2021

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Eine Herzchirurgin, ein Kabarettist und eine Psychologische Psychotherapeutin nähern sich der Frage an, wie man gut mit PatientInnen während einer lokalen Anästhesie kommunizieren kann. Der Kabarettist beschäftigt sich mit der Frage, wie viel und welcher Humor sich in dieser Situation bewährt hat, die Herzchirurgin berichtet über ihre Erfahrungen der Kommunikation während einer Schrittmacherimplantation und die Psychologin kümmert sich um die entsprechende Hypnokommunikation. 


Das ist ein sehr kreatives und ungewöhnliches Buch und allen zu empfehlen, die mit PatientInnen stationär und ambulant arbeiten. Dieses Buch ist ein Beispiel, wie man in vielen Bereichen der Medizin gekonnter kommunizieren könnte und eine Vorlage, wie sich maßgeschneiderte Kommunikationsansätze auch für andere fachärztliche Disziplinen erarbeiten lassen. Wie sagte der Kölner Medizinprofessor und Aphoristiker Uhlenbruck so schön: Vielen Ärzten ist nicht klar, dass man aus der Verschiebung von 2 Buchstaben aus „ärztlich“ „zärtlich“ machen kann. 

Friederike von Tiedemann

Paare wirkungsvoll begleiten - Kompetenz!Box Therapie und Beratung

Junfermann, 2025

von Laura Lisa Jarr und Helmut Wetzel

Die Kompetenzbox Therapie & Beratung: Paare wirkungsvoll begleiten wurde von Friederike von Tiedemann entwickelt, unter der Herausgeberschaft von Frauke Niehues und Ghita Benaguid, und erschien 2025 im Junfermann Verlag. Sie umfasst eine Box mit Karten und Anleitungen, QR-Codes für digitale Inhalte sowie einen Downloadzugang als E-Book.


Eine der erfahrensten Paartherapeutinnen lässt uns einen Blick in ihre „Werkstatt“ werfen und öffnet ihre reiche Schatzkiste. Wir finden Vertrautes, Überraschendes und Inspirierendes, egal ob man am Anfang oder Ende eines professionellen, systemischen Therapeut:innen- und Berater:innenlebens steht.


So haben wir uns als Kollege/innen-Paar mit unterschiedlichen Blickwinkeln und Bedürfnissen aufgemacht, uns umzuschauen, um unsere praktische Arbeit zu bereichern. Wir sind dabei fündig geworden, haben Perlen und Edelsteine in der prosaisch viel zu nüchtern „Box“ genannten Schatzkiste gefunden. Sie richtet sich an Therapeut:innen, Berater:innen und Coaches, die Paare in verschiedenen Settings begleiten und bietet Materialien für die Unterstützung von Paarprozessen, mit Fokus auf der Reflexion von Beziehungsmustern, Förderung von Kommunikation und Bearbeitung typischer Themen in der Paararbeit – strukturiert und praxisnah.


Die Box enthält Karten mit Anleitungen für Übungen zur Psychoedukation sowie digitale Ressourcen wie Handouts, Arbeitsblätter und Videos, die über QR-Codes abrufbar sind. Ein begleitendes E-Book, das über einen Download-Code zugänglich ist, wird zum hilfreichen Lotsen durch elf inhaltliche Bereiche mit einer Fülle von Informationen und Anregungen. Die einleitenden Grundkonzepte sind eine nützliche, auch selbstreflektierende Orientierung der systemischen Perspektive. Danach wird der Rahmen für Paararbeit gesteckt, es folgen Karten, Bilder, Strukturskizzen, Handouts und Filme u.a. zu folgenden Themen:


  • Dysfunktionale Interaktionen,
  • Lebensorganisation der Partner:innen,
  • Paargeschichte,
  • Herkunftsgeschichte,
  • Außenbeziehungen,
  • Sexualität,
  • Trennung und
  • Patchworkfamilien.


Didaktisch geschickt folgen Bereiche für Favoriten, in denen Leser:innen eigene Schwerpunkte setzen können. Die Box setzt auf praxisorientierte Methoden wie Reflexionsübungen, Psychoedukation, Visualisierungen, Kommunikationsübungen und Prozessanleitungen. Besonders hilfreich fanden wir die Beispiele zur Prozessgestaltung, die Hinweise zur Einbettung in die Beratungs- oder Therapieprozesse, sowie die Vorschläge für Follow-ups oder Hausaufgaben.Alles ist sehr gut in den Berufsalltag integrierbar. Viele Übungen können ohne großen Materialaufwand direkt in den Sitzungen umgesetzt werden.Die Box richtet sich an (angehende) Profis in der Beratung oder Therapie. Sie eignet sich vor allem für den Einsatz in Einzelsettings mit Paaren, weniger für Gruppenformate.Die Materialien setzen bereits grundlegendes Fachwissen voraus. Eines ist schade - es werden ausschließlich heterosexuelle Paare abgebildet, was nicht mehr ganz zeitgemäß erscheint.


Als Resümee dieser wirklich umfassenden Sammlung möchten wir einige besonders gelungenen Aspekte hervorheben:

 

  • Die Box besticht durch ihren hohen Praxisbezug mit vielen direkt umsetzbaren Übungen.
  • Der prall gefüllte Werkzeugkasten lässt kaum Wünsche offen.
  • Die gut strukturierten Themenbereiche lassen sich flexibel kombinieren.
  • Digitale Ergänzungen (Bilder, Videos, Handouts) erleichtern die die Umsetzung.
  • Die Fokussierung auf prozessbegleitende Interventionen.


Die Kompetenzbox ist praxisnah, inhaltlich fundiert und bietet zahlreiche Interventionen. Für Fachkräfte in der Paararbeit - von Anfänger:innen bis zu Lehrtherapeut:innen - ist sie eine sehr wertvolle Erweiterung der eigenen Expertise. Die eigene therapeutische Werkstatt wird mit einem bunten Strauß an Methoden sowie dem einen oder anderen Schmuckstück bereichert.
Wir waren von der Schatzkiste begeistert, die uns die Autorin so großzügig und freigiebig zur Verfügung stellte. Werfen Sie einen Blick hinein! Es lohnt sich!

Petra Heymann, Lydia Mojzis, Lena Luise Kannicht

Einfach machen: Gestalterische Methoden in Therapie und Coaching

Junfermann, 2026

von Dr. Cornelie Schweizer


Die neue Kompetenz!Box von Petra Heymann, Lena Luise Kannicht und Lydia Mojzis ist eine inspirierende und ausgesprochen praxisnahe Bereicherung für alle, die mit kreativen Prozessen in Therapie, Beratung, Coaching oder Supervision arbeiten möchten. Schon das wunderschön gestaltete Äußere macht neugierig und vermittelt auf den ersten Blick die kreative Lebendigkeit, die diese Box auszeichnet. Und wer hineinschaut, wird schnell merken: Der Inhalt begeistert noch mehr.


Mit viel fachlicher Kompetenz und spürbarer Leidenschaft gelingt es den Autorinnen, kunsttherapeutische und gestalterische Methoden lebendig, verständlich und unmittelbar anwendbar zu vermitteln. Besonders überzeugend ist die gelungene Verbindung aus fundiertem Hintergrundwissen, klar strukturierten Methoden und einer Haltung, die Kreativität als kraftvolle Ressource für Entwicklung, Selbsterfahrung und Veränderung versteht. 


Die vielfältigen Impulse sind flexibel einsetzbar, leicht in unterschiedliche Arbeitsfelder integrierbar und regen dazu an, neue kreative Zugänge in die eigene Praxis aufzunehmen. Diese Kompetenz!Box schenkt nicht nur wertvolle fachliche Anregungen, sondern weckt echte Freude am Ausprobieren, Entdecken und Weiterentwickeln. Eine rundum gelungene Veröffentlichung, die inhaltlich wie gestalterisch überzeugt – und eine begeisterte Kaufempfehlung verdient. 

Christian Schwegler

Strukturierte Kurzzeithypnotherapie: Erfolgreich in fünf Sitzungen

Mad Man's Magic, 2025

von Thomas Fritzsche

Das Buch heißt bei mir einfach „Strukturierte Kurzzeithypnotherapie“, ohne den zweiten Teil des Titels „Erfolgreich in fünf Sitzungen.“ Diesen relativiert der Autor selbst schon in der Einleitung, indem er den Indikationskreis einschränkt und darauf hinweist, dass es manchmal auch acht oder zwölf Sitzungen sein können.

Man könnte, einem klugen Grundgedanken des Buchs folgend, eher „Erfolgreich durch fünf Wirkfaktoren“ titeln.

Wie ist das Buch aufgebaut?

Nach einer kurzen Einleitung werden uns vorbereitend verschiedenen Denkansätze in kleinen, gut lesbaren Häppchen nahegebracht. Unter anderem, charmant, zum Pareto Prinzip, zu Ergebnissen der Exzellenzforschung, zu Lisa Feldmann Barrett und zur Psychoneuroimmunologie.

Nach diesem Einstieg zählt Christian Schwegler die wichtigsten Wirkfaktoren der Psychotherapie auf. Wie gesagt stellen diese nach meinem Eindruck den eigentlichen Kern des Ansatzes dar, denn der Autor begründet im folgenden Kapitel einleuchtend, wie diese wesentlichen Wirkfaktoren in der strukturierten Kurzzeithypnotherapie berührt bzw. erfüllt werden.

Ein Beispiel: Der Wirkfaktor „Therapeutische Beziehung“ wird aktiviert durch das bei Hypnotherapie quasi automatisch angewandte Pacing des Dialogs und auch der Körpersprache, weiterhin auch durch die ressourcenorientierte Haltung.

Diese Überlegungen sind aus meiner Sicht richtig und bemerkenswert: Hypnotherapie, strukturiert angewandt, liefert praktisch in sich selbst die in der Forschung genannten Wirkfaktoren der Psychotherapie. Kein Wunder also, dass Hypnotherapie wirkt, besonders wenn die Struktur dafür sorgt, dass die entsprechenden Faktoren aktiviert werden.

Mit diesen Ausführungen ist aus meiner Sicht das Fundament des Buchs gelegt. Im zweiten Teil beschreibt Christian Schwegler die im Buchtitel genannten 5 Stunden.

Zunächst lesen wir relativ kurz auf sieben Seiten eine Art Überblick: Was passiert in welcher Sitzung?

Auf den nächsten 60 Seiten werden die fünf Sitzungen ausführlich beschrieben: Der Autor liefert konkrete Erläuterungen, was Therapeutin oder Therapeut in der jeweiligen Sitzung tun und beachten kann, welche Techniken sie oder er anwenden kann. Hier bekommen wir einen Blumenstrauß von Ideen - aus meiner Sicht aus verschiedenen Gründen die zweite lohnende Fundgrube des Buchs.

Ein Beispiel: In Stunde 3, die vorwiegend der Ressourcenaktivierung gewidmet ist, stellt Christian Schwegler als Auswahl die 3D Hypnose, die Gesundheitstrance und den Ressourcenfokus vor. Alle Techniken werden jeweils erläutert.

Für mich persönlich hätten die sieben Seiten des zweiten Teils, „was passiert in welcher Sitzung“, kompakter ausfallen dürfen, vielleicht, zur Orientierung, auf einer knappen Seite. Stellenweise werden einzelne Aspekte mehrfach erläutert.

Dies fällt umso mehr auf, da uns der Autor im Anschluss ein weiteres Mal durch die fünf Sitzungen führt und damit erneut bei Stunde eins beginnt. Man kann also auf jeden Fall sagen, dass das Buch über strukturierte Therapie selbst sehr strukturiert ist …

Dieser dritte Teil des Buchs ist mit 150 Seiten der umfangreichste, denn Christian Schwegler liefert uns für jede der Stunden und für die meisten der aufgeführten Techniken das Transkript eines therapeutischen Dialogs. Somit können wir verschiedene relevante Therapiemomente miterleben.

Für wen ist das Buch gemacht?

Beim schnellen Lesen denke ich natürlich vor allem an Anfänger und Anfängerinnen der Hypnotherapie. Für diese ist das Buch ein wundervoller Leitfaden, um konzentriert und fokussiert mit ihren Klientinnen und Klienten zu arbeiten. Sie bekommen Struktur geliefert und zugleich sinnvolle Techniken an die Hand, meistens mehrere pro Sitzung zur Auswahl. Dazu gibt es gute Erläuterungen, wie sie diese einsetzen können, und sogar ausführliche Transkripte. Wenn ich erst ein oder zwei Jahre mit Hypnotherapie arbeite, ist das Buch mit Sicherheit eine große Unterstützung, um mich zurechtzufinden, und es hilft mir, „ein richtiger Hypnotherapeut / eine richtige Hypnotherapeutin“ zu sein.

Möglicherweise kann es auch für Fortgeschrittene anregend sein, einmal durch das Buch zu blättern - je nachdem, wie strukturiert und „Hypno - bewusst“ sich ihre Tätigkeit entwickelt hat: Wer bereits sehr strukturiert arbeitet und ein gutes Repertoire an Hypnosetechniken aktiv einsetzt, dürfte wenig zusätzlichen Nutzen aus dem Buch ziehen. Wer sich aber im Lauf der Jahre eher entwickelt hat zum freundlichen Zuhörer oder zur wertschätzenden Begleiterin, wird hier ein Korsett im positiven Sinn vorfinden, eine Unterstützung, sich bei der Arbeit wieder stärker zu fokussieren auf das, was wirkt.

Zusammenfassung:

Wie sieht es eigentlich, werden Ericksonianerinnen und Ericksonianer fragen, damit aus, dass hier quasi ein Manual geliefert wird, wo doch jede Therapie so individuell sein sollte wie jeder Mensch? Ja, stimmt schon - aber indem Christian Schwegler kein starres Manual vorgibt, sondern für jede geschilderte Sitzung eine Auswahl von Optionen nennt, ist dieser Einwand zumindest relativiert.

Inhaltlich finde ich die Idee, unser hypnotherapeutisches Vorgehen einmal in Bezug zu setzen zur sukzessiven Aktivierung der in der Forschung ja tatsächlich gefundenen Wirkfaktoren von Psychotherapie klug und wertvoll. Ich finde es erfrischend, wenn Bücher über Psychotherapie sich nicht nur auf Psycholiteratur beziehen, sondern auch andere Felder verknüpfen, wie hier zum Beispiel Pareto oder die Exzellenzforschung. Als Freund von Kurzzeittherapie bin ich glücklich, wenn ein Buch die Möglichkeit fokussiert zu arbeiten unterstützt, egal ob in fünf oder acht oder zwölf Sitzungen. Für die erwähnten Anfänger und Anfängerinnen der Hypnotherapie ist das Buch eine Fundgrube. Wenn sie es in den ersten Jahren neben ihren Stuhl legen und immer mal wieder darin blättern, wird das in Ergänzung zu den Seminaren der Entwicklung zu gut ausgebildeten Hypnosetherapeuten und -therapeutinnen hilfreich sein.

Es gibt ja Bibeln in unserem Fach, dicke Bücher, von den Klügsten unserer Zunft geschrieben, wo wir nachschlagen können, was wir tun, wenn das präsentierte Problem ein Reizdarmsyndrom ist oder Migräne. Dieses schlanke Buch kann solche Bibeln nach meiner Meinung gut ergänzen, da es durch den (hypno)therapeutischen Alltag führt.

Matthias Rauscher

Hypnose wirkt! Von Angsterkrankungen bis zum Zahnarztbesuch – Techniken und Selbsthypnose

Springer Spektrum, 2025

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Das Buch „Hypnose wirkt!“ bietet in seiner überarbeiteten zweiten Auflage einen verständlichen Einstieg in die wissenschaftlich fundierte Hypnotherapie. Es richtet sich sowohl an Einsteigerinnen und Einsteiger als auch an Fachpersonen in Ausbildung. Vorgestellt werden Grundlagen, Techniken und vielfältige Einsatzmöglichkeiten, etwa bei Angst, Burnout oder Verhaltensproblemen. Auch Selbsthypnose wird praxisnah erklärt und als hilfreiches Werkzeug zur Bewältigung alltäglicher Belastungen dargestellt. Ergänzt wird der Ratgeber durch Beispiele aus der Praxis sowie neue Themen wie COVID und Skin Picking. Damit bietet das Buch einen breiten und anschaulichen Überblick über die Möglichkeiten moderner Hypnose. Der Autor ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Hypnoseausbildung bei der DGH.

Peter Stimpfle (Hrsg.)

HypnoSystemisches für Therapie und Beratung - Appetizer die Lust auf Meer machen

tredition, 2023

von Josef Eisner

Am Meer des hypnosystemischen Reiches und seinen Stränden gibt es eine Vielzahl von Zugängen, Methoden und Erfahrungsgeschichten aus der praktischen und theoretisch fundierten Erfahrungswelt. Die drei Teile des Werkes werden von den Ausführungen Altmeister der Hypnosystemischen Arbeit, Gunther Schmidt, eingeleitet. Die Hauptteile des Buches erhalten dadurch sowohl historisch als auch theoretisch/methodisch einen unterstützenden Bezugsrahmen. Ergänzend verweist Schmidt nicht zuletzt auch auf die gesellschaftspolitische Verantwortung, wenn er schreibt:

„[…] HypnoSystemische Konzepte sind konsequent als demokratieorientierte Konzepte zu verstehen. Demokratie kann aber nur wirksam leben […], wenn wir alle aktiv für sie Stellung beziehen, dies impliziert auch, dass wir klare Position beziehen für diese Werte, gerade dann, wenn wie zur Zeit von einer zunehmenden Zahl von Menschen und entsprechenden Parteien abwertende, Minderheiten-feindliche autokratische Positionen mit großem Lärm vertreten werden.“ (S.47)

Die geneigten LeserInnen finden in diesem fachspezifischen Buch eine vielfältige informative Rundumschau zum Thema vor, das sich, wie bereits angesprochen, in drei Richtungen beordert.

Im Norden, dem sogenannten Teil 1, werden prominent die Grundlagen hypnosystemischer Konzepte skizziert. „Meine Stimme begleitet Sie überallhin … []“, so leitet Peter Stimpfle mit einem Zitat seinen Beitrag zu den Hypnosystemischen Prinzipien ein. Er erläutert, was unter Individualität, Wertesystem, Lösungs-, Ressourcen- und Handlungsorientierung (u. a.) im Kontext der hypnosystemischen Therapie und Beratung zu verstehen ist. Ebenso thematisiert er die therapeutische Haltung und veranschaulicht sie zuweilen mit Zitaten aus der Eriksonschen Geschichtensammlung. Die Bedeutung von Vertrauen in der TherapeutIn-PatientIn/KlientIn-Beziehung fokussiert Hans-Ulrich Schachtner und leuchtet die Bereiche Therapeutische Kompetenz und Flexibilität näher aus. Eindrücklich erläutert er unter dem Aspekt LEVERAGE (Hebelkraft), was diese für die Power der IntervenientInnen neben Kompetenz und Flexibilität bedeutet. Bernd Schmid verweist in seinen Ausführungen (Hypnotherapie – Milton Erickson) neben dem meist thematisierten technischen Können des Begründers der Hypnotherapie auf dessen liebevolle Ausstrahlung. Dieser war kein Lehrer, der Konzepte oder deklaratives Wissen per se vermittelte, sondern einer, der seinen SchülerInnen ausschließlich mit Storys, Beispielen und Demonstrationen begegnete. Ein weiterer charakteristischer methodischer Punkt ist die Kulturerkundung des Persönlichkeitshintergrundes der KlientInnen. Auch das Arbeiten mit Suggestionen im Sinne von Wirklichkeitsvorschlägen wird von Schmid besprochen und er resümiert: „Sieh zu, dass du verstehst, was dem anderen heilig ist!“ Dem folgen Ausführungen zu concious-/unconcious-mind, direkte/indirekte Suggestion, bevor Stefan Hammel fragt, was ist eigentlich Hypnosystemische Therapie? Der Reigen der vorgestellten Konzepte wird mit dem Beitrag von Anne M. Lang von der „Behandlungsidee“ zur „Prozess-hypno-systemischen Psychotherapie“ und der Vorstellung des Bonner Ressourcen Modells abgeschlossen.

Darauf folgt im Osten an einer weitläufigen Küstenlinie die Vorstellung unterschiedlicher methodischer Ansätze und Zugänge, welche ausnahmslos durch solide praktische Fundierung glänzen und anschaulich, erlebnisnah dargeboten werden. Mit Heinz-Wilhelm Grössling raus aus dem Gedankenkarussell, Peter Hain arbeitet mit humorvollen Bildern, Christian Schwegler stellt den inneren Heiler vor und Claudia E. Weinspach & Alexandra Zimmermann laden zu einer Hypnoseheldenreise ein. Impacttechniken von Frauke Niehues sowie Kritzeln als kreatives Tool von Michael Nigitz-Arch führen dann weiter zum Geschichtenerzählen als Weg zur Ich-Stärkung von Claudia E. Weinspach. Astrid Vlamynck und Katharina Lamprecht thematisieren NLP und systemisches Denken in der hypnosystemischen Arbeit, Lamprecht beschreibt darüber hinaus „Systemisch Leben“ und Manfred Prior stellt die Teddy Induktion vor. Von Stefan Hammel wird noch die Kunst des therapeutischen Erzählens erläutert und Roland Kachler bezieht sich mit „Wege der Trauer – Wege der Liebe“ darauf, dass Trauern mehr ist als Abschiednehmen. Abschließend wird von Walter Hofmann eantwortet, wann unsere Interventionen eine Wirkung haben, und Stefan Geyerhofer widmet sich in seinem Beitrag dem Internalisieren von Lösungen und beschließt damit Küstenabschnitt der Hypnosystemischen-Methoden.

Eine kontextualisierte Einbettung der Methoden erfolgt im Westen des hypnosystemischen Reiches: Iim 3. Teil des Buches werden, ähnlich einer Zugabe, weitere Themen und Anwendungsbereiche vorgestellt. In den Beiträgen geht es um Scham, Hochsensibilität, Lösungsorientierung in der Kinder- und Jugendarbeit, beziehungsorientierte Trauer, Ermunterung von krisenmüden Menschen, erfüllte Liebe, Trance-Phänomene in der Palliativarbeit, Hypnosystemische Seelsorge, warum Jungen Väter brauchen sowie Zauberkunst in Therapie und Beratung (weitere Autoren: Christina Blach, Astrid Deuchert, Andreas Steiner, Wolfgang Schulze, Jean-Otto Domanski, Alexander Cherdron), bevor der Herausgeber mit dem Epilog „Apollo 11 – die Helden meiner Kindheit“ schließt.

In diesem Buch ist, wenn auch nicht vollständig, das Who’s Who der hypnosystemischen Szene angetreten, um in anschaulichen Beispielen Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen Appetit auf die Arbeit mit hypnosystemischen Werkzeugen zu machen. Auch neugierig interessierte NovizInnen kommen voll auf ihre Rechnung, indem ein reichhaltiges Buffet an Informationen (z. B. das umfangreiche Literaturverzeichnis) sowie Orientierung gebende Anschauungsbeispiele, in den historischen Kontext der Hypnotherapie eingebettet, dargeboten werden und zur Vertiefung einladen.

Natürlich kann dieses Buch systematisch, sequenziell gelesen werden, also von vorn nach hinten, doch bietet es sich an, die Besuche an den thematischen Stränden und Landschaften, spontan oder geplant, ganz nach (Meer) Lust und Laune zu wählen. Dazu sei, last but not least, auf die einführenden Worte des Herausgebers verwiesen, der in seinem Vorwort (Seite 11–19) auch eine kleine Gebrauchsanleitung gibt.

Alarcón, Franch, Mendoza,Capafons

Paradigm’s relevance in empirical research biases: Hypnotizability, resilience, and self-control, an empty systematic review

2023

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Es gibt bislang keine Studien, die den Zusammenhang zwischen Hypnotisierbarkeit und Resilienz direkt untersuchen. Hypnose kann jedoch Resilienz stärken und Beschwerden lindern. Gleichzeitig wird Hypnotisierbarkeit oft mit psychischen Problemen verknüpft. Künftige Forschung sollte beide Konzepte stärker gemeinsam betrachten, um ihr Potenzial für die psychische Gesundheit besser zu verstehen.

Ho, Turner, Jensen, Day, Ehde, Anastas, Williams

Positive impacts of psychological pain treatments: Supplementary analyses of a randomized clinical trial

Februar 2025

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Die Studie zeigt, dass Schmerzbehandlungen oft nur Symptome betrachten und positive Aspekte vernachlässigen. Hypnose und Achtsamkeit verbesserten nach sechs Monaten das psychosoziale Wohlbefinden von Schmerzpatienten stärker als reine Aufklärung. Die Ergebnisse betonen, wie wichtig es ist, neben der Schmerzreduktion auch Ressourcen wie Bewältigung und Sinn in Therapie und Forschung zu berücksichtigen. 

Jensen, Chan, Gottlieb, Sugarman, Stensland

Use and benefits of a digital therapeutic for chronic pain management: A pilot study

2025

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Die Studie zeigt, dass digital präsentierte Hypnose Menschen mit chronischen Schmerzen helfen kann. In einer Testphase mit 54 Teilnehmenden verbesserten sich Schmerzempfinden und Stimmung schon nach kurzen Sitzungen. Nach vier Wochen gab es weitere positive Effekte. Die App könnte eine leicht zugängliche und wirksame Ergänzung zur Schmerzbehandlung sein.

McConkey, Bryant, Richard, Barnier,  Polito

The Rhythm and Reach of Hypnosis: Reflections on and Interaction Witch Selected Work of Steven Jay Lynn, Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice, Vol. 12(4), 700-710

Dezember 2025

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Der Beitrag beleuchtet Hypnose aus wissenschaftlicher und klinischer Sicht und würdigt die Arbeit von Steven Jay Lynn. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Hypnose, Wahrnehmung und Bewusstsein zusammenhängen und schafft damit eine grundlegende Einordnung der Hypnose im psychologischen Kontext. Dabei wird gezeigt, dass hypnotische Erfahrungen durch ein Zusammenspiel von kognitiven, sozialen und situativen Faktoren entstehen. Die AutorInnen betonen, dass Hypnose am besten im Gesamtfeld der Psychologie verstanden und erforscht werden sollte – mit enger Verbindung zwischen Forschung und Praxis.

Montgomery, Schnur, Tiersten, Benck, Erblich

A randomized controlled trial of hypnosis to manage musculoskeletal pain in breast cancer survivors taking aromatase inhibitors

2024

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Die Studie untersucht, ob Hypnose Schmerzen bei Brustkrebs-Überlebenden unter antihormoneller Therapie lindern kann. In einer kontrollierten Untersuchung zeigte die Hypnosegruppe über ein Jahr hinweg deutlich geringere Schmerzen und Beeinträchtigungen. Die Therapie ist kurz, nebenwirkungsarm und auch selbst anwendbar. Die Adhärenz der Medikamenteneinnahme wurde durch die Hypnose nicht beeinflusst.

Moutardier, Ferrel, Vernazza-Martin, Coudrat,  Dru, Coutté

Influence of imagery-based suggestions on motor behavior and subjective experience of wakefulness and alertness: A preliminary study. Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice

August 07, 2025

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Die Studie zeigt, dass bildhafte Vorstellungen Bewegungen und Erleben beeinflussen können. Teilnehmende senkten ihren Arm stärker und empfanden mehr Anstrengung, wenn sie sich schwere statt leichte Gegenstände vorstellten. Gleichzeitig veränderte sich ihr Gefühl von Wachheit. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Vorstellungen gespeicherte Körpererfahrungen aktivieren und sogar das Erleben von Kontrolle und Aufmerksamkeit beeinflussen können.

Osman, Bechlivanidis

What are the critical factors that matter to our free choice when under threat from manipulation?

2024

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Der Beitrag zeigt, dass Manipulation nicht automatisch als Einschränkung der freien Entscheidung wahrgenommen wird. Vielmehr bewerten Menschen solche Situationen unterschiedlich. Besonders deutlich wird, dass die eigene Entscheidungsfreiheit stärker bedroht erlebt wird als die von anderen. Auch der Kontext spielt eine wichtige Rolle. Formen der versteckten Beeinflussung wie Hypnose oder subliminale Reize werden kritischer gesehen als alltägliche Werbung. Perspektive und Situation beeinflussen somit maßgeblich, wie wir Freiheit und Selbstbestimmung einschätzen. Die Ergebnisse regen dazu an, bisherige Vorstellungen über Manipulation und freien Willen zu hinterfragen und genauer zu differenzieren. Eine Forschung, die gerade politisch aktuell und relevant ist. 

Patterson, Mendoza

Three models for using hypnosis for chronic pain management

2025

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Chronische Schmerzen sind weit verbreitet und schwer zu behandeln. Hypnose gilt zunehmend als hilfreiche, nebenwirkungsarme Methode. Der Beitrag beschreibt drei unterschiedliche Ansätze: kognitive Strategien, „wache“ Hypnose und ericksonsche Verfahren. Alle haben ihre Stärken – entscheidend ist, sie je nach Situation gezielt einzusetzen, statt nur auf Schmerzreduktion zu fokussieren. 

Polito, Roberts, Connors, Barnier

Can hypnosis make you ticklish? Using suggestion to modulate agency. Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice, Vol. 12(1), 45–6

März 2025

von Kaltrina Gashi und Bernhard Trenkle

Die Studie untersucht den Handlungsspielraum („Sense of Agency“) und zeigt, wie Hypnose das Gefühl eigener Kontrolle verändern kann. Durch gezielte Suggestionen wurde erreicht, dass selbsterzeugte Reize – etwa beim Kitzeln – fremd erscheinen. Besonders stark waren die Effekte bei hoch hypnotisierbaren Personen. Die Ergebnisse geben neue Einblicke in Wahrnehmung und Selbstkontrolle.