Nr. 59
Gruppentherapie und Hypnose: Eine elegante Art, sich auf Entwicklungskurs zu begeben
Artikel von

Daniela Schulze
Die sechs Kernkompetenzen der Ericksonschen Therapie im Gruppenkontext
Als ich vor Jahren die Ausbildung zur Hypnotherapeutin begann und in dieser Zeit schon einige Jahre KlientInnen mit Gruppentherapie begleitete, lag es nah, die Hypnose auch im Gruppensetting anzuwenden, da ca. 80% meiner KlientInnen entweder in Gruppentherapie oder in kombinierter Einzel- und Gruppenbehandlung sind. Und von den KlientInnen, die zuerst eine Einzelbehandlung machen, weil sie sich das Gruppensetting noch nicht vorstellen können, oder es aus praktischen Gründen nicht möglich ist, gehen ungefähr weitere 10% später aufgrund ihres Wunschs nach einer Gruppenerfahrung in eine Gruppe.
Es soll nun darum gehen, was das Gruppensetting schon natürlicherweise bereitstellt für die Anwendung von Hypnose, ob im medizinischen oder psychotherapeutischen Kontext, oder auch im präventiven Bereich.
Nach Analyse von Umfrageergebnissen wurden folgende sechs Kernkompetenzen (KK) herausgefiltert:
- Individuelle Anpassung bzw. Maßschneidern
- Utilisation
- Strategisch
- Destabilisierung
- Erfahrungsorientiert
- Naturalistisch
Diese KK wurden operational definiert, experimentell getestet und im ersten, weit verbreiteten Behandlungsmanual der Eicksonschen Therapie (ET) beschrieben (Short, 2019). In diesem Zusammenhang orientiere ich mich auch an einem Artikel von Dan N. Short, in dem eine Operationalisierung der wesentlichen Kernelemente der ET (Ericksonsche Therapie) vorgenommen wurde.
Nacholgend kann nicht jede KK im Einzelnen ausführlich dargestellt werden, dennoch möchte ich kurz beschreiben, wie sie sich im Gruppenkontext darstellen, teilweise ohne dass man viel dafür tun muss. Wer ein Bewusstsein dafür entwickelt, wo und wie sie einem begegnen, kann dies für die therapeutische Arbeit gewinnbringend nutzen.

Foto von Diva Plavalaguna
1. Maßgeschneidertes Vorgehen:
Jeder Mensch ist einzigartig und jede Behandlung auch. Nicht die KlientInnen müssen ihr Verhalten ändern, um den Bedürfnissen der TherapeutInnen zu entsprechen! Die TherapeutInnen müssen ihren Beziehungsstil an die Bedürfnisse der KlientInnen anpassen. Dazu gehört, zu erfassen, was der/die einzelne KlientIn von allen anderen unterscheidet. Dazu gehört auch, die verborgenen Stärken und Ressourcen zu erfassen und die Vorlieben und einzigartigen Interessen wertzuschätzen.
Im Gruppenkontext heißt das:
Auch jede Gruppe ist einzigartig und unterscheidet sich von jeder anderen Gruppe, auch wenn nach gleichen Prinzipien vorgegangen wird. Das zu erleben, „dass das hier unsere Gruppe ist“, gibt ein starkes Gefühl von Einzigartigkeit, da jede/r spürt, dass sie/er etwas beigetragen hat und sieht, wie es am Anfang war und wie beim Abschied.
Haltung Therapeut:in:
Was ist das Besondere an dieser Gruppe? Was habe ich hier zu verstehen und wertzuschätzen? In diesem Kontext kann man z.B. eine Gruppentrance anbieten, in deren Verlauf man die Teilnehmenden bittet, Bilder zu dieser Gruppe in sich aufsteigen zu lassen und ein Symbol dafür zu finden. Beispiele aus den Gruppen sind: eine Insel im tiefen Meer; ein Anker; ein Haus mit einem warmen Kamin in der Mitte; eine Schatzkiste; zu Beginn waren wir ein Suppeneintopf, jetzt sind wir ein Buffet.
Auch kann man in einer leichten Trance die Frage stellen: Wenn die Gruppe ein/e KlientIn wäre, wie wäre sieoder er? Was kann sie/er gut, was macht sie/ihn aus? Wo ist noch Luft nach oben? Ist sie männlich, weiblich, wie alt ist? Welches Tier wäre sie/er? Usw.
2. Utilisation:
Im Rahmen der Therapie wird Utilisation definiert als die Fähigkeit, alle Eigenschaften, Fähigkeiten, zwischenmenschliches Geschehen und Situationen seitens der KlientInnen zum Erreichen sinnvoller Ziele praktisch zu nutzen, Wertschätzung zu zeigen für alles, was die KlientInnen können und Kooperation herzustellen.
Utilisation setzt Akzeptanz in zielgerichtetes Handeln um. Der Fokus ist nach außen auf eine Welt der Möglichkeiten gerichtet: „Was können Sie tun?“
Im Gruppenkontext …
… muss, will und wird sich jede/r definieren. Das kann immer wieder aufs Neue geschehen. Durch die Spiegelung und Fragen der anderen geschieht eine Art von Selbstwerdung, die ohne ein Gegenüber so gar nicht geschehen könnte.
Jede/r erfährt sich dadurch auch als abgegrenzt von den anderen, als einzigartig. Und jede/r bringt etwas Einzigartiges, für die Gruppe Nützliches, mit.
Haltung der TherapeutIn:
Anstatt der Gruppe zu spiegeln, was sie nicht kann, das nutzen, was sie bereits kann. Die Aufmerksamkeit auch auf die Fähigkeiten jedes/r Einzelnen richten, denn damit kann und wird die Gruppe kooperieren. Man kann z.B. anknüpfend an das Buffet-Bild, mit der Gruppe herausarbeiten, welche besondere Qualität (Zutat) jede/r Einzelne ist: „Wenn Du ein Gewürz wärest, welches bist Du hier?“ „Wenn Du eine Landschaft wärest, welche wärest Du?“ Das macht Spaß und führt zu weniger Irritationen als man man zunächst denken könnte.
3. Strategisch:
Die Annahme ist, dass alle Individuen ein elementares Bedürfnis haben, Herausforderungen ihrer Wahl zu suchen, nach persönlich bedeutsamen Zielen zu streben, eine wünschenswerte Zukunft aufzubauen und einen persönlichen Willen in Bezug auf die eigene Identität, Beziehungen und Weltanschauung durchzusetzen: also eine AutorInnenschaft innezuhaben.
KlientInnen sind AkteurInnen für ihre Entwicklung. Wenn sie sich so erleben können, ist das entwicklungsfördernd. Dies führt zum Transfer auf das gesamte Leben, auch außerhalb der Therapie.
Im Gruppenkontext …
… wird jede/r sich als EntwicklungshelferIn erleben. Oft erst auch einmal für die anderen. Es ist immer leichter, die „Probleme“ der anderen zu lösen als die eigenen. Über die Zeit wird sich das dann auf die eigene Lösungskompetenz übertragen.
Haltung der TherapeutIn:
Anstatt der Gruppe Lösungsvorschläge zu machen, sollte man auf diese in jedem/r vorhandene AutorInnenschaft vertrauen, und sei sie noch so verschüttet. Manchmal scheint es, als gebe es keine Lösung. Gerade hier haben Gruppen eine große Kraft, wenn die Teilnehmenden als Gemeinschaft auf Lösungssuche gehen. Nicht selten ist dann dieses Gefühl der Gemeinschaft die „Lösung“, weil dabei Halt und Ichhaftigkeit entsteht. Hier kann man z.B. Geschichten von Entwicklung erzählen (die Wildgänse, wie sie es zusammen schaffen oder von Jim Knopf und der wilden 13) und man kann auch aus anderen Gruppen erzählen, wie diese nach Durststrecken doch einen Weg fanden und dann zufrieden und stolz waren.
4. Destabilisierung:
Ein zu starres System wird unempfindlich gegenüber Veränderungen und erforderlicher Anpassung. Vorübergehende Unterbrechung stabiler psychologischer Muster ist Bedingung für Veränderung. Destabilisierung in diesem Sinne fördert Flexibilität, ermöglicht Lernen, indem die Orientierung zu Ort, Person und Zeit unterbrochen wird.
Konfusion, Musterunterbrechung, Mehrdeutigkeiten Raum geben ist deshalb wichtig. Erst dann können sich neue Ideen, Perspektiven, Wirklichkeiten entwickeln.
Im Gruppenkontext:
Die Erfahrung von Überraschung und Ungewissheit ist wesentlich für die Reorganisation tief verankerter Überzeugungen und Erwartungen. Die Gruppe mit ihren vielen unbekannten Variablen stellt dieses Milieu zu Verfügung. Sie destabilisiert von Natur aus, gerade zu Beginn: Welche Regeln gelten hier? Welche Menschen sitzen hier? Was wird jetzt geschehen? Usw.
Haltung der TherapeutIn:
Die Kunst ist, die Gruppe durch ein optimales Maß an Verunsicherung in Entwicklung zu bringen. Dies ist abhängig vom Setting und auch von den Teilnehmenden. Sage nie und tue nie etwas, was die Gruppe selbstschaffen kann. Aber bemerke auch, wo sie Unterstützung benötigt. Hier hält die Hypnotherapie eine Menge an Interventionen bereit, die je nach Setting als Hauptintervention oder begleitend angeboten werden können und von der einfachen Ressourcenarbeit bis hin zu komplexen Interventionen und auch Tieftrancen reichen.
5. Erfahrungsbezogen:
Lernen geht nur über Erfahren. Der Prozess des Wachstums, des Lernens und der Anpassung ist Teil des Lebens und beschränkt sich nicht auf den Beratungsraum. Körperliche Aktivität und nicht-verbale Kommunikation sind grundlegend. Reden allein reicht nicht. Im Einzelsetting gibt es ein breites Spektrum an Techniken, die diesen erlebnisorientierten Erfahrungsraum herstellen und unterstützen, z.B. durch Metaphern, indirekte Suggestionen, Heilungsrituale und mehrdeutige Aufgaben bis hin zum formalen Einsatz von Hypnose. Die KlientInnen werden darin unterstützt, dies auch für sich zu „üben“.
Der Gruppenkontext …
… ist ein Erfahrungsraum innerhalb der Therapie. Die dort geführten Auseinandersetzungen und gemeinsamen Erlebnisse sind echt erlebt und in den Raum außerhalb der Gruppe übertragbar und zwar leichter, als hätte man „nur“ darüber gesprochen.
Haltung der TherapeutIn:
Es gilt zu erkennen, an welchen Stellen im Prozess ich als TherapeutIn die Gruppe „einfach“ laufen lassen kann und auch lassen sollte, und an welchen Stellen ich durch aktivere Interventionen Entwicklungsimpulse geben sollte. Hier gilt es zu reflektieren: Wozu genau möchte ich ein Tool anbieten? Es hilft die Metapher: Ein Kind lernt nicht laufen, indem es getragen wird. Aber manchmal braucht es eine helfende Hand.
6. Naturalistisch:
Die Annahme ist: Jeder Mensch hat die Möglichkeit zur Lösung in sich. Es geht um selbst geschaffene Lösungen, nicht um vorgegebene. Diese haben einen nachhaltigeren Wert. Das ist die Suggestion, die Haltung, die von der TherapeutIn ausgeht. Jede Kommunikation, die die Erwartungshaltung stärkt, dass Veränderung mühelos und automatisch geschehen kann, ist hilfreich. Veränderung kommt natürlich und auf leichten Sohlen daher.
Bedürfnisse auf unbewusster Ebene werden angesprochen und berücksichtigt, während auf bewusster Ebene andere Dinge stattfinden, z.B. können Geschichten von Menschen, die Heilung erfuhren und die sich ihren Themen stellen, erzählt werden.
Die Gruppensituation:
In der Gruppe steht jede/r TeilnehmerIn für eine solche ganz persönliche interessante Geschichte.
Im Prozess der Gruppe kann jede/r direkt beobachten, wie Entwicklung geschieht, wie Geschichten sich entwickeln, was verändert werden kann, was behalten werden sollte etc. In diesem Sinne könnte man die Gruppe an sich als Induktion ansehen: Die Gruppe befriedigt unbewusste Bedürfnisse nach Zusammenhalt, Geborgenheit (Kohäsion), und auf bewusster Ebene können andere Themen/Szenen erscheinen. Z.B. kann, auch wenn scheinbar „nur“ Smalltalk gemacht wird, in der Tiefe gerade Wesentliches und Heilung geschehen. Dabei ist einer der größten Gewinne, dass sich die Problemtrance auflösen kann, ohne sie zu sehr in den Fokus nehmen zu müssen.
TherapeutIn:
Für sie/ihn gilt es, wie auch beim strategischen Prinzip, diese innere Haltung in sich selbst zu etablieren. Dies kann als Suggestion auf die TeilnehmerInnen wirken in Form einer heilsamen Atmosphäre. Auch das Erzählen von Geschichten, die dies zum Inhalt haben oder förderliche Trancen, die aus dem Gruppenkontext entwickelt werden, können diesen Prozess unterstützen.
Fazit:
Die therapeutische Situation ist eine Ausnahmesituation, die so schnell wie möglich wieder verlassen werden sollte. Manchmal geht es schnell, manchmal dauert dieses „Schnell“ auch ein bisschen länger. Meine Erfahrung ist, dass der hypnotherapeutische Ansatz an den Stellen, an denen es schneller gehen kann, z.B. wenn es um Erleben mit allen Sinnen geht, den therapeutischen Prozess einerseits katalysieren und dennoch dabei gleichzeitig langfristig hoch wirksam verankern kann. An den Stellen aber, an denen es Geduld braucht, da es nicht schneller geht, weil mehr Entwicklungszeit benötigt wird, kann er Hoffnung und Zuversicht geben über lange Strecken.
Hinzu kommt: Das Arbeiten mit Hypnose bringt auch uns TherapeutInnen Entlastung, indem wir eine Haltung entwickeln können, die uns in schwierigen Therapie-Prozessen und natürlich auch in der Auseinandersetzung mit uns selbst Unterstützung gibt.
Erickson sagte: „Ich vertraue immer meinem Unbewussten. … Es ist eine beglückende Art zu leben.“

Foto von Vitaly Gariev
Fallbeispiel:
Gruppenhypnose kann eine dynamische und interaktive Erfahrung sein. Mit einem Fallbeispiel, das aus der Anfangssituation einer Gruppe kommt, möchte ich die Intensität, welche die Anwendung von Hypnose entwickeln kann, verdeutlichen. Gleichzeitig macht dieses Beispiel auch Mut:
Mit sechs Frauen, die jeweils über Jahre bei mir in Einzelbehandlung waren, vereinbarte ich ein Gruppensetting, u.a. zur Gewichtsabnahme. Alle hatten viel Erfahrung mit Diäten, das hatten sie mir voraus. Aber darum sollte es in der Gruppe nicht gehen. Sie hatten den Wunsch, mehr Wohlbefinden und Selbstwertgefühl zu entwickeln, da sie einen Mangel davon als Ursache für ihr Übergewicht erkannt hatten. Wir trafen uns insgesamt 25 Stunden mit jeweils 3 wöchentlichem Abstand. Alle Frauen hatten eine Entwurzelungsthematik und Schwierigkeiten im interpersonalen Feld, vor allem in ihren Partnerschaften. Das Konzept sah vor, dass es bei jedem Treffen zuerst eine interaktive Phase gab und im Anschluss daran eine hypnotherapeutische Intervention. Manchmal gab es auch Stunden, in denen die hypnotherapeutische Intervention an den Anfang gelegt wurde, je nach Prozess.
Die Teilnehmerinnen waren nicht sehr erfahren mit Tranceerleben, aber sie kannten entweder schon aus den Einzeltherapien Selbsthypnose oder wurden durch eine erste Tranceerfahrung und die entsprechenden Informationen vorbereitet.
Direkt in der ersten Stunde machten wir eine Imagination, in der es um eine Innenschau ging, als Metapher gab es ein Haus, das sich jede selbst vorstellen und schauen sollte, wo ihr Lieblingsraum ist und wie dieser aussieht etc.
Als Hinleitung zur Trance hatte ich mehrere Angebote gemacht, da in Gruppentrancen nicht ganz speziell auf die Einzelne fokussiert werden kann. Es gab auch das Angebot, sich wie im Schaukelstuhl zu fühlen … oder wie beim Tanzen … und mehr und mehr … sich von außen nach innen fokussieren … usw. Dann leitete ich die Trance bis zum Ende an und alle kamen mit einem guten Erleben zurück... bis auf eine Teilnehmerin. Sie reorientierte sich nicht und war auch erst einmal nicht direkt ansprechbar. Nach wenigen Minuten (manchmal können kurze Zeiträume sich sehr lang anfühlen), war sie ansprechbar und schilderte, dass sie nicht mehr zurückkommen könne, da sie sich nicht bewegen könne. Ich dachte, dass das die erste und letzte Stunde dieser schön gedachten Hypnogruppe sein würde. Ich ging davon aus, dass jetzt alle sehr geschockt sein würden und weitere Arbeit mit Trance dankbar ablehnen würden. Ich selbst war nicht so aufgeregt, ich kannte diese Klientin schon gut und wir hatten ein vertrauensvolles Verhältnis. Ich konnte mit ihr sprechen und beruhigte sie, sagte, dass wir alle genug Zeit haben, dass sie sich da noch aufhalten darf, wo sie ist, und irgendwann werde sie in ihrem Tempo wieder zu uns kommen. Ich fragte sie auch, ob ich sie an der Hand berühren dürfe, und nach ihrer erteilten Erlaubnis berührte ich ihre Hand und streichelte über ihren Handrücken. Die Klientin wurde dabei ruhig und nach einer Weile öffneten sich ihre Augen wieder.
Im Nachgespräch zum Tranceerleben sagte diese Klientin, dass sie an der Stelle, an der ich die Metapher des Tanzens eingestreut hatte, an ihren verstorbenen Mann gedacht habe. Sie erzählte uns, dass sie sich beim Tanzen kennengelernt hatten. Dieser Mann habe ihr viel Halt in einem entbehrungsreichen Leben gegeben. Er war erst ein halbes Jahr zuvor verstorben. Das erklärte gut, was ihr Unbewusstes gemacht hatte: Es hatte die Trance genutzt für eine intensive Begegnung mit ihrem Mann. Sie erzählte, sie habe die ganze Trance hindurch mit ihm getanzt. Über die Reaktion der anderen Frauen war ich mindestens genauso überrascht. Sie waren gefasst und sehr berührt von der Situation. Sie konnten die Klientin gut verstehen und fanden es großartig, dass sie so eine Erfahrung habe machen können. Außerdem merkten sie an, dass das wohl ein Beispiel dafür sei, wie wirkmächtig Trance sein kann. In dieser Gruppe war die Arbeit mit Trance ab diesem Moment eine sehr hilfreiche Unterstützung und die Vorarbeit, in der es auch um die Förderung des Vertrauens in Tranceprozesse geht, war damit erledigt. Ich denke, es wurde mehr erreicht in dieser Gruppe, als hätten wir „nur“ gesprochen. Es gab auch eine Frau, die anfangs nicht gut in ein tieferes Tranceerleben hineinkam. Wir hatten diesbezüglich abgesprochen, dass sie auch einfach nur dabeisitzen könne. Nach einigen Stunden war das kein Thema mehr: Sie konnte ihr Kontrollbedürfnis ablegen. Auch in diesem Fall denke ich, ist das Erleben des Loslassens tiefer verankert, als wenn wir „nur“ darüber gesprochen hätten.

Foto von Los Muertos Crew
Alle oben geschilderten Kernkompetenzen sind in dieser Gruppenarbeit zu finden.
Es ist dem intensiven Beispiel geschuldet, dass ich eine Frauengruppe gewählt habe, ich könnte auch eine interessante Dynamik aus einer gemischten Gruppe darstellen. Vielleicht an anderer Stelle.
Was aber alle Beispiele zeigen: Hypnose ist ein großer Zugewinn in der Arbeit mit Gruppen. Neben dem Erkennen eigener Ressourcen in jedem Menschen selbst, können auch vermeintlich aversive Themen, wie z.B. Neid, Rivalität etc. bearbeitet werden, indem man in solchen Dynamiken z.B. auf die inneren Bilder und Gefühle fokussiert und nicht nur auf das Konfliktverhalten. Auch das Einflechten von Geschichten ist hilfreich in solchen Situationen. Im Sinne des aktuellen MEGaPhon-Themas können so auch Tabuthemen besser in den Fokus genommen werden, denn die Frage ist nicht: „Hat diese Gruppe Tabuthemen?“ Die Frage ist: „Welche Tabuthemen hat sie?“
Hypnose – ZHH, 17 (1+2), Oktober 2022: Was ist Erickson´sche Therapie? Frei zugänglich und kostenlos als Download verfügbar.

